Aus Leserbriefen an die Redaktion
Kritik der Religion
Es war ja nicht von ungefähr, dass Marx den Anfang jeglicher Kritik mit der Kritik der Religion gesetzt hat. Es ergibt sich deshalb zwangsläufig, daran zu erinnern, dass die Bibel mit einigem Erfolg als Sünde unters Volk gebracht hat, dass vom Baum der Erkenntnis zu futtern bestraft wird. Deshalb »raus aus dem Paradies«, gepaart mit einer misogynen Erzählung, die angeblich weibliche Neugier bestraft und das Weib in die zweite Reihe verbannt. Kurz: Die Weiber haben’s versaut, deshalb nun die Schmerzgeburt und dem Manne allzeit untertan. War es nicht sowieso nur ein Rippchen des Mannes, aus dem der Herr das Weib geformt hatte? Nebenbei wurden mit dem Hexenhammer noch die letzten matriarchalen Reste entsorgt. Egal. Erkenntnis war von nun an geächtet.
Das weitere Schicksal der Menschheit war »in guten wie in schlechten Tagen« sowieso von dem da oben vorherbestimmt, denn »der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen« (Hiob)! Wer was gibt, der kann es bekanntlich auch wieder nehmen. Falls es in Zukunft doch noch aufmüpfige Geister geben sollte, die seiner Herrschaft die Gefolgschaft versagen und einen eigenen Aberglaubensklub gründen wollten, wird nach 5. Mose 5,11 gedroht: »Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.«
Was wirkt davon noch nach in der Jetztzeit? Erkenntnis, die die Herrschaftsverhältnisse hinterfragt, ist verboten; die Frau wurde zur Sklavin des Mannes und allgemein das »Herr-Knecht-Verhältnis« in Kraft gesetzt. Vereint mit den irdischen weltlichen Herrschern, also Kaisern, Königen und Adligen, bildeten Thron und Altar/Kirche das Kraftzentrum, dem untertänigst zu folgen sei. Deshalb ist es konsequent, wenn Geistliche heute auch die Kanonen segnen.
Sollte bei diesem Coup irgendwann einmal das irdische Elend für die »Mühsamen und Beladenen« zu bedrückend werden (beispielsweise als Jammertal eingestanden), so hätte die Kirche von der Kanzel immer noch den Trost auf das Ende im Jenseits parat: Auferstehung und Paradies – immer auch gepaart mit der Hölle, dem Fegefeuer und dem Teufel für die Loser. Kehren wir an den Anfang zurück und erinnern uns mit Ernst Bloch: »Moral im einzig echten Sinn sei die Anweisung auf die handelnde Aufhebung des Verhältnisses Herr und Knecht unter Menschen, und nichts anderes sei die Anweisung auf Kommunismus.« Dann ist der Arbeitnehmer wieder Produzent in freier Assoziation, und der Arbeitgeber wird als Hilfskraft zur Bewährung in die Produktion delegiert. Howgh!
Manfred Pohlmann, per E-Mail
High as a kite
Zu jW vom 14./15.3.: »Alles so schön bunt hier«
Laut der Datenbank All Music resultierte das Aufkommen des Psychedelic Rock Mitte der 1960er Jahre aus britischen Gruppen: Die britische »Invasion« des US-Marktes mit Folkrockbands, die »die klanglichen Möglichkeiten ihrer Musik« erweitern wollen. Arnold Shaw schreibt in seinem Buch »The Rock Revolution« (1969), das Genre in seiner US-amerikanischen Prägung repräsentiere einen Generationeneskapismus, als »Protest der Jugendkultur gegen die sexuellen Tabus, Rassismus, Gewalt, Heuchelei und Materialismus des Erwachsenenlebens«.
Bob Dylans Einfluss war zentral für die Entstehung der Folkrockbewegung im Jahr 1965, und seine Texte blieben ein Prüfstein für die psychedelischen Songwriter der späten 1960er Jahre. Bis Mitte der 60er beeinflusste auch der Ragarock von Ravi Shankar die Generation junger Rockmusiker und ihre Psychedelic-Rock-Ästhetik. Jazzsaxophonist und -komponist John Coltrane hatte eine ähnliche Wirkung mit den exotischen Klängen auf seinen Alben »My Favorite Things« (1960) und »A Love Supreme« (1965), letzteres war von Shankar beeinflusst und diente Gitarristen als Grundlage für Jamsessions.
Folk- und Avantgardegitarrist John Fahey experimentierte in den frühen 60er Jahren mit ungewöhnlichen Aufnahmetechniken, einschließlich Reverb-Effekt und neuartiger Instrumentalbegleitung durch Flöte und Sitar, beispielsweise auf dem Album »The Great San Bernardino Birthday Party & Other Excursions«. Sandy Bulls Album von 1963 erforscht verschiedene Stile und »könnte auch treffend als eine der allerersten psychedelischen Platten beschrieben werden«. 1965 erwähnen die New Yorker Band The Fugs LSD in ihrem Song »I Couldn’t Get High« wie auch die faszinierenden Pretty Things mit ihrem »L.S.D.«
Nayeli Aidyl Martinez, Wellington (Neuseeland)
Betriebsverfassungsgesetz verteidigen
Zu jW vom 10.3.: »Kumpanei mit den Chefs«
(…) Auch wenn das Betriebsverfassungsgesetz ja am Beginn der Weimarer Republik ein Kompromiss war, dem die Arbeitgeber damals nur deshalb zugestimmt hatten, um aus ihrer Sicht weiteres Unglück zu verhindern (da gab es ja einmal eine breite Bewegung für die Sozialisierung und Räte), so muss es heute verteidigt werden gegen alle rechten Akteure wie gegen das Arbeitgeberlager. Alle Versuche alternativer Mitspracheformen sind Blendwerk, um die Grundfrage Kapital und Arbeit auszuschalten – und es ist leider so, dass auch sehr viele Beschäftigte darauf hereinfallen und sich damit zufrieden geben. Hier braucht es Gegenmacht, und dann gibt es auch im bestehenden System Erfolge, wie z. B. im Krankenhausbereich. Ein großer Bereich in Deutschland ist übrigens nach wie vor betriebsratsfrei – die meisten Unternehmen von Caritas und Diakonie zählen mit rund 1,2 Millionen Beschäftigten dazu. Ein weites Feld im Dienstleistungsbereich, das mit Mitarbeitervertretungen abgespeist wird. (…)
Helmut Türk-Berkhan, Rosenheim
Ein großer Bereich ist übrigens nach wie vor betriebsratsfrei – die meisten Unternehmen von Caritas und Diakonie zählen dazu. Ein weites Feld im Dienstleistungsbereich, das mit Mitarbeitervertretungen abgespeist wird.
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