Denken nervt
Max Frisch war einer der meistgelesenen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts – und hielt zumindest in jungen Jahren wenig von zuviel Nachdenken. Das legt zumindest sein Abituraufsatz im Fach Deutsch nahe. Fast 100 Jahre war der Text verschollen, jetzt wird er erstmals veröffentlicht. Der Literaturwissenschaftler und Präsident der Max Frisch-Stiftung, Thomas Strässle, sprach am Freitag von einer Sensation. In dem Abituraufsatz »Licht- und Schattenseiten der modernen Technik« zeigte sich Frisch (1911–1991) bereits mit 19 technikkritisch. Darin stellt Frisch den ums Überleben besorgten Urmenschen dem modernen Menschen gegenüber. Die Technik führe zu viel Zeitersparnis und damit mehr Raum zum Denken. »Je klarer und logischer wir aber denken, desto rascher erkennen wir die bodenlose Stumpfsinnigkeit unseres Daseins«, so der junge Frisch: »Vom Standpunkt des Glücks aus beurteilt ist die Technik abzulehnen.«
Ein Schüler an der Schule von Frisch in Zürich hatte die Arbeit in den 50er Jahren aus einem Archivschrank mitgehen lassen. Er habe den Aufsatz für die Nachwelt erhalten wollen, schrieb der Mann 2024, als er ihn an das Max Frisch-Archiv schickte. Der Aufsatz erscheint nun in der Festausgabe zum 175. Jubiläum des Lehrmittelverlags in Zürich (LMVZ). (dpa/jW)
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