Costa Rica wählt
Von Volker Hermsdorf
Rund 3,7 Millionen Wahlberechtigte sind an diesem Sonntag in Costa Rica aufgerufen, einen neuen Präsidenten und das 57köpfige Parlament zu wählen. Laura Fernández Delgado von der rechten Regierungspartei Pueblo Soberano (PPSO) gilt als alleinige Favoritin für das höchste Amt im Land. Die frühere Kabinettschefin und Planungsministerin, die als Bewunderin des salvadorianischen Präsidenten Nayib Bukele gilt, wird in Umfragen mit rund 40 bis 44 Prozent geführt. Verfehlt sie die Schwelle von 40 Prozent, kommt es im April zu einer Stichwahl.
Fernández steht für die Fortsetzung des scharfen Rechtskurses von Präsident Rodrigo Chaves. Der frühere Weltbank-Ökonom darf laut Verfassung zwar nicht erneut kandidieren, übt aber weiterhin großen Einfluss aus. In den Umfragen folgt mit deutlichem Abstand der Ökonom Álvaro Ramos von dem rechtssozialdemokratischen Partido Liberación Nacional (PLN), der zuletzt auf 9,2 Prozent kam. Dahinter liegen Claudia Dobles von dem sozialdemokratischen Partido Acción Ciudadana (PAC) sowie Ariel Robles vom Linksbündnis Frente Amplio (FA).
Die Wahl findet in einem Klima zunehmender Gewalt und wachsender Unsicherheit statt. Das lange als »Friedensoase« geltende Land durchlebt eine beispiellose Krise. Organisierte Kriminalität und Drogenhandel haben sich in weiten Teilen Costa Ricas ausgebreitet. 2025 stieg die Mordrate auf rund 17 Fälle pro 100.000 Einwohner – der achthöchste Wert in Lateinamerika. Die voraussichtliche Wahlsiegerin strebt eine starke parlamentarische Mehrheit an, um Verfassung und Justizsystem umzubauen, die sie als Bremser im Kampf gegen das organisierte Verbrechen darstellt. Die zersplitterte Opposition warnt deshalb vor der Etablierung eines »autoritären Modells«, das die Gewaltenteilung untergraben würde. Ein Symbol dafür ist der Bau eines großangelegten Hochsicherheitsgefängnisses in San José, in Zusammenarbeit mit El Salvadors Präsident Nayib Bukele. Der rechte Hardliner legte den Grundstein am 14. Januar persönlich.
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