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Literatur

Mario Vargas Llosa gestorben

Der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa ist tot. Er starb am Sonntag (Ortszeit) im Alter von 89 Jahren in der peruanischen Hauptstadt Lima, wie sein Sohn Álvaro Vargas Llosa am Sonntag auf X mitteilte. Die Regierung Perus ordnete für den Montag Staatstrauer an. Vargas Llosa war einer der einflussreichsten lateinamerikanischen Schriftsteller der Gegenwart; 2010 erhielt er den Literaturnobelpreis. Zu seinen wichtigsten Romanen zählen »Gespräch in der ›Kathedrale‹« (1969), »Der Geschichtenerzähler« (1987) und »Tante Julia und der Kunstschreiber« (1991). Dabei verfolgte er lange das an den bürgerlichen Realismus angelehnte Konzept des »totalen Romans«, mit dem er die zerfallende Welt der Moderne zu fassen versuchte.

Am 28. März 1936 im peruanischen Arequipa geboren, studierte Vargas Llosa Literatur in Lima und Madrid, wo er promoviert wurde. Neben seiner journalistischen Tätigkeit, u. a. für France Télévisions sowie die Nachrichtenagentur AFP, widmete er sich verstärkt dem literarischen Schreiben. Ein erster Erfolg wurde der Roman »Die Stadt und die Hunde« (1963), Werke wie »Das grüne Haus« (1966) festigten seinen Ruf. Vom »Prager Frühling« 1968 desillusioniert, wandte sich Vargas Llosa von der politischen Linken ab und zerstritt sich darüber auch mit seinem Freund Gabriel García Márquez (1927–2014), der ihn an literarischem Ruhm noch überstrahlte und es weiter mit dem Sozialismus hielt. Vargas Llosa widmete sich ab den 80er Jahren verstärkt der Politik und bezog nun rechtsliberale Positionen. Zeitweise führte er die Partei Movimiento Libertad, scheiterte 1990 mit einer Präsidentschaftskandidatur – er hatte sich für umfassende Privatisierungen von Staatseigentum und Deregulierungen der Märkte ausgesprochen. Er unterlag in der Stichwahl Alberto Fujimori. Vargas Llosa blieb ein »public intellectual«, schrieb etwa von den 90ern bis 2024 für die spanische Tageszeitung El País eine Kolumne. In vielen Texten arbeitete er sich an der lateinamerikanischen Linken ab und sprach sich etwa für den brasilianischen Faschisten Jair Bolsonaro aus. Auch der extrem rechte argentinische Präsident Javier Milei konnte auf seine Unterstützung zählen.

Obwohl Vargas Llosa literarisch rege blieb, machte er zuletzt neben seiner weiteren politischen Radikalisierung vor allem mit seinem Privatleben Schlagzeilen. So verließ er 2015 nach 50 Jahren Ehe seine Frau, um mit einer philippinisch-spanischen Boulevardjournalistin zusammenzuleben. Für sein Werk erhielt Vargas Llosa eine Vielzahl von Preisen, so 1994 den Cervantes-Preis und 1996 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Zudem wurde er 2021 als erster nicht französisch schreibender Autor in die Académie française aufgenommen. 2014 wurde der Asteroid »(17466) Vargasllosa« nach ihm benannt. (jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.04.2025, Seite 11, Feuilleton

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