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25.02.2025
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Blätter im Hof
Die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München hat neue Erkenntnisse zur Flugblattaktion der Geschwister Hans und Sophie Scholl. Nach einer Rekonstruktion der Ereignisse kann man nach Angaben der LMU nun die genaue Stelle bezeichnen, von der aus die Flugblätter der »Weißen Rose« am 18. Februar 1943 in den Lichthof der Universität flatterten. An dem Ort im zweiten Stock der Galerie rund um den Lichthof des Universitätsgebäudes erinnert jetzt ein Schild daran, als Ergänzung zur Gedenkstätte im Erdgeschoss.
Dieser Abwurf habe sich als ikonographisches Bild für Freiheit eingeprägt, sagt die Vorsitzende der Weiße-Rose-Stiftung, Hildegard Kronawitter, am Montag der dpa. Nun könne man auch sehr präzise den Abwurfort markieren. In diesem sechsten Flugblatt rief die »Weiße Rose« die Studenten zum Widerstand gegen das Terrorregime der Nazis auf. Ein Hausmeister wurde durch die von der Brüstung herabwirbelnden Blätter aufmerksam, die Geschwister wurden festgenommen.
Sophie Scholl habe später im Verhör erklärt, sie habe den Blättern »in meinem Übermut oder meiner Dummheit« einen Schubs verpasst, beschreibt es der Historiker Hans Günter Hockerts, der die Recherchen betrieben hat. »Just jener Blätterregen, der in der Erinnerungskultur zum Sinnbild des Widerstands der Weißen Rose avanciert ist, war in der realen Geschichte also eine Panne: verhängnisvoll für die Geschwister, indirekt aber auch für alle Mitstreiter.«
Ob diese Deutung so stimmt oder nicht: Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst wurden am 22. Februar 1943 zum Tode verurteilt und hingerichtet. Andere Mitglieder der Widerstandsgruppe wie Kurt Huber, Alexander Schmorell und Willi Graf wurden später ebenfalls ermordet. (dpa/jW)
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