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Dialektik der Eroberung: Der Weg der Syphilis

Leipzig. Dass die Kolonisatoren im 15. Jahrhundert zahlreiche, zuvor nicht aufgetretene Krankheiten nach Amerika brachten, die dort zu einer großen Sterblichkeit führten, ist lange bekannt. Die seit ihrer Entdeckung als »Lustseuche« bekannte Syphilis zählt nicht dazu. Sie ging, wie ein Team um Rodrigo Barquera vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig herausgefunden hat, den umgekehrten Weg. Die Forscher konnten anhand von in Nord- und Südamerika gefundenen Knochen und Zähnen aus der Zeit vor 1492 Genome von verwandten Bakterien des Syphiliserregers feststellen und damit nachweisen, dass die Infektionskrankheit, die im finalen Stadium zum Tod führt, aus Amerika stammt. Die Analyse der DNA-Daten zeige, dass sich die Krankheit bei der indigenen Bevölkerung um 1500 rasant ausbreitete, wie die Forscher in der Zeitschrift Nature berichten. Dabei steckten sich offenbar auch die Kolonisatoren an und brachten die Seuche nach Europa. Wie das Syphilisbakterium Treponema pallidum nach Amerika gekommen ist, können die Forscher nur vermuten. Es könnte zuvor von einem Tier auf Menschen übergesprungen sein, so Barquera. Oder es wurde während der ersten Besiedlung des Kontinents von Menschen aus Asien eingeschleppt. (jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 24.12.2024, Seite 15, Natur & Wissenschaft

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