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Documenta

Freiheit der Kunst

Nach dem erneuten Antisemitismusstreit um die Documenta in Kassel sieht sich die Leitung der Weltkunstschau vor großen Problemen. Auf der einen Seite müsse es gelingen, Instrumente für einen klaren Umgang mit Antisemitismus, Rassismus und jeder Form von gruppenspezifischer Menschenfeindlichkeit zu finden, sagte der Geschäftsführer der Documenta, Andreas Hoffmann, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Auf der anderen Seite müsse auch deutlich sein, dass die Kunstfreiheit weiterhin gelte.

»Es muss ganz klar sein, dass die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler der Documenta in der alleinigen Verantwortung der künstlerischen Leitung liegt«, erklärte Hoffmann. Dabei sei das Gutachten des Berliner Rechtswissenschaftlers Christoph Möllers von zentraler Bedeutung, »das kategorisch ausschließt, dass künstlerische Programme einer vorherigen staatlichen Kontrolle unterworfen werden.« Möllers hatte in einem von Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) in Auftrag gegebenen Gutachten herausgearbeitet, welche Möglichkeiten und Grenzen der Staat hat, inhaltlich in Kunst einzugreifen.

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Bereits die Documenta 15 im vergangenen Jahr war von einem Antisemitismuseklat überschattet worden. Nach erneuten Vorwürfen gegen ein Mitglied war vergangene Woche die gesamte Findungskommission für die künstlerische Leitung der 16. Ausgabe der Kunstausstellung zurückgetreten. Eine Verschiebung der für 2027 geplanten Schau hatte Hoffmann daraufhin gegenüber der dpa nicht ausgeschlossen. Die Documenta gilt neben der Biennale in Venedig als wichtigste Ausstellung für Gegenwartskunst. Traditionell findet sie alle fünf Jahre statt. (dpa/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.11.2023, Seite 10, Feuilleton

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