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10.10.2022
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Der Erneuerer
Der französische Philosoph und Soziologe Bruno Latour ist tot. Er starb in der Nacht zum Sonntag im Alter von 75 Jahren. Latour galt als einer der größten zeitgenössischen Intellektuellen Frankreichs und wurde unter anderem als »einer der großen Erneuerer der Sozialwissenschaften« geehrt. Er war Professor an der Elitehochschule Sciences Po in Paris.
Der 1947 im zentralfranzösischen Beaune geborene Latour beschäftigte sich in seinen Werken mit der wissenschaftlichen Arbeit und damit, wie Gewissheiten entstehen. In den 90er Jahren geriet er so in den »Krieg der Wissenschaften«. Naturwissenschaftler empfanden es als Angriff auf ihren Anspruch objektiver Erkenntnis, dass Soziologen wie Latour ihre Mechanismen der Wahrheitsproduktion erkundeten. Latour betonte, er beschreibe nur die Fähigkeit wissenschaftlicher Netzwerke, Objektivität hervorzubringen. Er stand auch für eine neue Sicht auf Umwelt und Gesellschaft und galt als ökologischer Vordenker. Er war einer der Begründer der sogenannten Akteur-Netzwerk-Theorie. Nach ihr schreiben sich Natur und Gesellschaft in ständig neuen Verbindungen Eigenschaften zu. Latour führte das zur Idee eines »Parlaments der Dinge«, in dem auch nichtmenschliche Akteure mitentscheiden sollen. (dpa/jW)
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