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Unschuldsvermutung nicht für Frauen

Rostock. In einem Bericht, den die Ostseezeitung am Dienstag abend online veröffentlicht hat, behauptet deren Redakteur Andreas Meyer unter Berufung auf Polizeiermittler, dass 80 Prozent aller Vergewaltigungen, die 2017 in und um Rostock angezeigt wurden, gar nicht stattgefunden hätten. »In acht von zehn Fällen sind die Taten nur vorgetäuscht«, zitierte er den Leiter der dortigen Kriminalpolizeiinspektion, Rogan Liebmann. Belege für diese Unterstellung werden in dem Artikel nicht geliefert. Insgesamt 78 Ermittlungsverfahren führte die Rostocker Kripo demnach im Jahr 2017 wegen sexueller Übergriffe auf Frauen. »63 davon wurden wegen begründeter Zweifel am Ende eingestellt. In 15 Fällen haben wir sogar Verfahren gegen die Frauen einleiten müssen – wegen des Vortäuschens einer Straftat oder auch falscher Verdächtigung«, sagte die Ermittlerin Britta Rabe dem Blatt. Rechnerisch sind 15 von 78 Fällen allerdings 19,23 Prozent. Die juristische Unschuldsvermutung müsste hier für beide Seiten gelten, solange diese Verfahren nicht abgeschlossen sind und weder die eine noch die andere Version durch Beweisaufnahme und Gerichtsurteil belegt wurde. Mit der Warnung vor mutmaßlich lügenden Anzeigeerstatterinnen will Liebmann aber dem Bericht zufolge andere Ressentiments bekämpfen: »In vielen Fällen sind die angeblichen Täter dunkelhäutig. So wird Misstrauen gegenüber Fremden geschürt«, erklärte er. (clw)

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Erschienen in der Ausgabe vom 14.12.2018, Seite 15, Feminismus

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