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Kunst

Plump

Nach heftiger Kritik ist die Performance »Auschwitz on the Beach« auf der Documenta in ihrer bisherigen Form abgesagt worden. Wie eine Sprecherin der Kunstausstellung am Dienstag sagte, wird es am heutigen Donnerstag statt dessen eine Lesung mit dem italienischen Künstler und Philosophen Franco Berardi geben. Sie soll unter dem Titel »Shame on Us« stehen. Mit einer Performance wollte sich Berardi kritisch mit der europäischen Migrationspolitik auseinandersetzen. Im offiziellen Begleittext hatte es geheißen: »Auf ihren eigenen Territorien errichten die Europäer Konzentrationslager und bezahlen ihre Gauleiter in der Türkei, Libyen und Ägypten dafür, die Drecksarbeit entlang der Küsten des Mittelmeeres zu erledigen, wo Salzwasser mittlerweile das Zyklon B ersetzt hat.« Unter anderem das Internationale Auschwitz Komitee hatte die Kunstaktion scharf kritisiert. Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident, teilte mit, wer jüdische Häftlinge in Auschwitz mit dem Elend und Sterben von Flüchtlingen heute vergleiche, suche die »plumpe Sensation« und nicht die künstlerische Aufklärung. Der künstlerische Leiter der Documenta, Adam Szymczyk, teilte am Dienstag mit, es sei keineswegs die Absicht gewesen, den Holocaust zu relativieren. Nun will Berardi ein von ihm geschriebenes Gedicht vortragen, gefolgt von einer »partizipativen Diskus­sion«.(dpa/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 24.08.2017, Seite 11, Feuilleton

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