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Sportgeschichte

DDR-Superman

Berlin. Neunmal in Folge hatte Täve Schur die Umfrage der Jungen Welt gewonnen, 1962 aber wurde Helmut Recknagel DDR-Sportler des Jahres – und Täve gönnte ihm diesen Triumph völlig. Der Skispringer aus Thüringen hatte 1957 mit 19 als erster Nicht-Skandinavier am Holmenkollen in Oslo gewonnen. »Die Zeitungen in Skandinavien überschlugen sich damals«, erinnerte er sich später. »Es schien, als sei im Vatikan eine Frau auf den Stuhl Petri gestiegen.« 1958 folgte sein erster von drei Gesamtsiegen bei der Vierschanzentournee. Zwei Jahre später wurde er in Squaw Valley erster deutscher Olympiasieger im Skispringen – als Fahnenträger der damals noch gesamtdeutschen Mannschaft. Als er im selben Jahr in Planica das Skifliegen gewann, meinte Jugoslawiens Staatspräsident Tito: »Sie sind kein Mensch, Sie sind ein Vogel«, und schenkte ihm ein goldenes Zigarettenetui. 1962 wurde Recknagel in Zakopane Weltmeister. Wegen der damals üblichen Sprungtechnik – die Arme stramm nach vorne gereckt, eng am mit einem Bommelmützchen bedeckten Kopf – galt er als »DDR-Superman«. Der Titel seiner 2007 erschienenen Autobiographie, »Eine Frage der Haltung«, bezog sich aber auch auf seine politischen Überzeugungen. (jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.03.2017, Seite 16, Sport

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