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Wie geht Menschsein?

Der Psychoanalytiker Arno Gruen ist am 20. Oktober im Alter von 92 Jahren gestorben, wie sein Verlag Klett-Cotta am Donnerstag mitteilte. Sein Hauptaugenmerk galt den psychologischen Ursachen für Gewalt und Fremdenhass sowie den Voraussetzungen für Autoritätsgläubigkeit. Für sein Buch »Der Fremde in uns« erhielt Gruen im Jahr 2001 den Geschwister-Scholl-Preis. 1923 in Berlin geboren, emigrierte Gruen 1936 mit seiner jüdischen Familie in die USA. 1954 wurde er zum Leiter der psychologischen Abteilung einer Kinderklinik im New Yorker Stadtteil Harlem ernannt. »Es sind die Kulturen, nicht zuletzt die westlichen, die Selbstverrat und Hass hervorbringen« war laut Klett-Cotta sein Credo. »Wie geht also Menschsein?« hieß es in einem Nachruf des Schweizer Fernsehens. »Für Gruen ganz einfach: sich auf seine Empathie verlassen. Auf sein Gefühl. Auf diese Fähigkeit, die alle Menschen in den ersten zwei Lebensjahren haben, nämlich an den Gesichtszügen des Gegenübers zu erkennen, wie es diesem Menschen geht. Und eine Resonanz zu entwickeln.« (dpa/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 24.10.2015, Seite 11, Feuilleton

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