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27.08.2014
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Hintergrund: Staatsanwalt aufgerüttelt
Oury Jalloh verbrannte 2005 im Dessauer Polizeirevier. Die Initiative »In Gedenken an Oury Jalloh« glaubt an einen Mord, der durch Justiz, Ermittler und Behörden vertuscht werde. Mit einem eigenen Brandgutachten und einer Anzeige wegen Mordverdachts gegen Unbekannt hat sie die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau aufgerüttelt: Sie ermittelt wieder.
Der in Irland praktizierende Sachverständige Maksim Smirnou hatte im November für Aufregung gesorgt. Medienvertreter und Dessauer Staatsanwälte hatten in Berlin die Präsentation der Ergebnisse seines Brandgutachtens verfolgt. In einer nachgebauten Zelle hatte er entsprechende Versuche durchgeführt. Ziel war es, das Brandbild vom Tod Jallohs zu reproduzieren. Die Fotos der Polizei zeigen einen stark verkohlten Leichnam auf einer völlig heruntergebrannten Matratze. Dies sei ohne Brandbeschleuniger nicht erklärbar, so die Annahme. Tatsächlich erzielte Smirnou ein annäherndes Ergebnis nur durch das Entfernen der nicht brennbaren Matratzenhülle und den Einsatz von fünf Litern Benzin.
Zugleich stellte die Initiative Strafanzeige beim Generalbundesanwalt. Zahlreiche Indizien sprächen für einen Mord, heißt es darin. Man rufe diese Instanz an, weil die Behörde in Dessau mangelnden Aufklärungswillen gezeigt habe. Zudem handele es sich »um eine besonders schwere Straftat mit Bezug zur inneren Sicherheit und Verfaßtheit der BRD, da die zu ermittelnden Täter notwendigerweise exekutive Amtsträger des Bundeslandes Sachsen-Anhalt sein müssen«.
Generalbundesanwalt Harald Range sah das jedoch anders. Im Februar verwies er die Anzeige an die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau. Diese leitete ein »Verfahren wegen des Verdachts auf Mord zum Nachteil von Oury Jalloh« ein. Bei einer daraufhin veranlaßten Untersuchung des Brandschutts seien allerdings keine Rückstände von Brandbeschleunigern gefunden worden, erklärte Behördensprecher Christian Preissner auf Nachfrage von jW. Mit der Nebenklage wolle man in Kürze erörtern, welche weiterreichenden Untersuchungen seien.
(sb)
Der in Irland praktizierende Sachverständige Maksim Smirnou hatte im November für Aufregung gesorgt. Medienvertreter und Dessauer Staatsanwälte hatten in Berlin die Präsentation der Ergebnisse seines Brandgutachtens verfolgt. In einer nachgebauten Zelle hatte er entsprechende Versuche durchgeführt. Ziel war es, das Brandbild vom Tod Jallohs zu reproduzieren. Die Fotos der Polizei zeigen einen stark verkohlten Leichnam auf einer völlig heruntergebrannten Matratze. Dies sei ohne Brandbeschleuniger nicht erklärbar, so die Annahme. Tatsächlich erzielte Smirnou ein annäherndes Ergebnis nur durch das Entfernen der nicht brennbaren Matratzenhülle und den Einsatz von fünf Litern Benzin.
Zugleich stellte die Initiative Strafanzeige beim Generalbundesanwalt. Zahlreiche Indizien sprächen für einen Mord, heißt es darin. Man rufe diese Instanz an, weil die Behörde in Dessau mangelnden Aufklärungswillen gezeigt habe. Zudem handele es sich »um eine besonders schwere Straftat mit Bezug zur inneren Sicherheit und Verfaßtheit der BRD, da die zu ermittelnden Täter notwendigerweise exekutive Amtsträger des Bundeslandes Sachsen-Anhalt sein müssen«.
Generalbundesanwalt Harald Range sah das jedoch anders. Im Februar verwies er die Anzeige an die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau. Diese leitete ein »Verfahren wegen des Verdachts auf Mord zum Nachteil von Oury Jalloh« ein. Bei einer daraufhin veranlaßten Untersuchung des Brandschutts seien allerdings keine Rückstände von Brandbeschleunigern gefunden worden, erklärte Behördensprecher Christian Preissner auf Nachfrage von jW. Mit der Nebenklage wolle man in Kürze erörtern, welche weiterreichenden Untersuchungen seien.
(sb)
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