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Supercool von Herzen: Lisa Zimmermann gewinnt den Slopestyle-Weltcup

Foto: dpa/EPA/ Arno Balzarini
»Wenn man zu ernst ist, geht nichts voran«
In Sotschi war Lisa Zimmermann noch deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben, jetzt hat die Ski-Freestylerin als erste Deutsche den Slopestyle-Weltcup gewonnen. Auf dem Siegerpodest im schweizerischen Silvaplana klopfte die 18jährige dreimal auf die kleine Kristallkugel in ihrem Arm, als wäre es nur ein Traum. Dann sprang sie lächelnd vom Podest.

Nur sechs Wochen nach dem enttäuschenden Abschneiden bei den Olympischen Spielen feierte Zimmernann den größten Erfolg ihrer jungen Karriere gefeiert. »Ich fühle mich super cool«, sagte Zimmermann. So hatte sie auch schon in Sotschi gewirkt, als sie nach einem Sturz im ersten und Problemen bei der Landung im zweiten Durchgang als 14. den Sprung ins Finale der besten Zwölf knapp verpaßte. Das schien der damals noch 17jährigen nicht viel auszumachen. Sie zeigte Verständnis für die Wertung der Jury, »weil ich unsauber gelandet bin.« Da könne man nichts machen. Und die schlechten Sichtverhältnisse? »Ich hab ziemlich schlechte Augen und fahre ohne Kontaktlinsen. Deswegen sehe ich eh nicht viel.«

Eine wohltuende Haltung inmitten des neurotischen Erwartungswahns des deutschen Teams in Sotschi. Anderseits ist ihre Unbekümmertheit auch schon wieder ein Geschäftsmodell im eher spießigen Skibusineß. Sympathisch ist sie allemal.

In Silvaplana holte die Juniorenweltmeisterin nun den Weltcup mit dem deutlichem Vorsprung von 305 Zählern. Die Schwedin Emma Dahlström landete mit 196 Punkten auf Rang zwei. »Alls ist perfekt gelaufen, ich bin einfach nur glücklich. Es könnte mir nicht besser gehen«, sagte Zimmermann hinterher.
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Entscheidend war wie in Sotschi wieder der zweite Durchgang, als sie mit 83,40 Punktendie Schwedin Dahlström (78,20) und Lokalmatadorin Camillia Berra (72,40) auf die Plätze verwies. Die Lockerkeit der Zimmermann ist Programmm: »Wenn man zu ernst ist, geht nichts voran«, glaubt die junge Frau aus Bad Aibling bei Rosenheim.

Sie war jahrelang Eiskunstläuferin, mußte sechs Tage die Woche vier, fünf Stunden trainieren, was sie zunehmend anödete. Als sie an einem freien Wochenende 2010 erstmals richtig Ski fuhr, fühlte sie sich plötzlich endlich wieder frei – und wechselte bald zum Slopestyle. Das Gefühl für die Sprünge und und für die Koordination aus dem Eiskunstlauf kam ihr dabei zugute. Und spielerisch machte sie einen Quantensprung, als sie als erste Frau einen »Double Cork 1260« stand – ein Doppelsalto mit dreieinhalb Schrauben und den Händen an den Skiern. »Durch den Double hat die ganze Welt kapiert, wer ich bin«, glaubt Zimmermann.

Sie hat diesen Quantensprung spielerisch entwickelt, nicht aus Angeberei oder unter Trainingsdruck. Sie hatte Lust darauf. Ihr Trainer Trainer Thomas Hlawitschka formuliert es so: »Die Lisa scheißt sich einfach nix.«

(sid/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 24.03.2014, Seite 16, Sport

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