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Apartheid im Aargau: Kein Freibad für Flüchtlinge

Bremgarten im Schweizer Kanton Aargau beharrt darauf, Flüchtlingen den Zugang zu Schul- und Sportanlagen zu verweigern. Dazu gehören auch die Freibäder der gut 6500 Einwohner zählenden Kleinstadt. Nachdem die Anordnungen der Lokalbehörden in den vergangenen Tagen über die Grenzen der Schweiz hinaus für Empörung gesorgt hatten, versuchte Stadtammann (Gemeindepräsident) Raymond Tellenbach, die Gemüter zu beruhigen und verwies auf »Mißverständnisse«. Diese bezogen sich jedoch nur darauf, daß zu Wochenbeginn davon die Rede gewesen war, daß den Flüchtlingen der am Montag eröffneten Einrichtung auch der Besuch von Bibliotheken und Kirchen untersagt sei. »Wir haben nicht genügend miteinander kommuniziert«, sagte er der Schweizer Nachrichtenagentur sda und präsentierte sich als Menschenfreund: Der Zutritt zu allen Sperrgebieten sei Asylsuchenden »in Begleitung einer Betreuungsperson« jederzeit möglich. Allerdings wochentags nur zwischen 9 und 17 Uhr. Denn nur in dieser Zeit dürfen die Flüchtlinge das »Asylzentrum« in der Truppenunterkunft Bremgarten verlassen. Darauf hat die Stadtverwaltung gleich bei der Ankündigung der Einrichtung der Unterkunft hingewiesen. Weiter heißt es dort: »Die Sicherheitsfirma Abacon wird Tag und Nacht in der Unterkunft anwesend sein und regelmäßig Patrouillen im Stadtgebiet durchführen. Es werden Eintritts- und Austrittskontrollen erfolgen.«

Die Aargauer Sozialministerin Susanne Hochuli von den Grünen hat kein Problem mit der Apartheid in ihrem Kanton: »Wenn Asylsuchende in die Schweiz kommen, sollte man ihnen nicht den roten Teppich auslegen«, sagte sie dem SonntagsBlick. Die Regeln seien ein »Kompromiß«, damit die Bevölkerung die Unterkunft akzeptiere. Demgegenüber forderte die Schweizerische Flüchtlingshilfe, die »rechtlich und humanitär unhaltbaren« Verbote aufzuheben. (dpa/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 10.08.2013, Seite 6, Ausland

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