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Reichsverweser

Elie Wiesel hat in der vergangenen Woche seinen ungarischen Verdienstorden zurückgegeben. Der Holocaust-Überlebende und Friedensnobelpreisträger begründete das nach Angaben der Süddeutschen Zeitung vom Montag mit dem Geschichtsrevisionismus der ungarischen Behörden. Die Budapester Zeitung Magyar Hirlap vermerkte zu Wiesels Entscheidung, dieser habe »eine kosmopolitische Haltung, nie endene Negation und keine echte Lebensleistung vorzuweisen« – ganz anders als Miklós Horthy, nach dem zur Zeit in Ungarn Plätze und Straßen benannt werden. Vielerorts werden auch Statuen aufgestellt. Horthy war als Reichsverweser in der Zwischenkriegszeit ein Anhänger des Ständestaates und Initiator der ersten Judengesetze. Die Begeisterung für ihn mischt sich laut Süddeutscher »mit der neuen Liebe für alte, anisemitische völkische Dichter wie Albert Wass und Jószef Nyirö, die in den nationalen Lehrplan für Schulen aufgenommen wurden«. (jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 26.06.2012, Seite 13, Feuilleton

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