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Aus Brasilien

In diesen schwül-heißen Juninächten, wenn die Stechmücken keinen Schlaf dulden, kommt das Ticket für einen Direktflug auf Schallwellen in das größte Land Südamerikas wie bestellt. Motorengeräusche verschmelzen mit dem Klangteppich des Urwaldes. Tropischer Regen wird zum Klatschen einer Rhythmusgruppe. Sportreporter reden sich in Rage, wildes Trommeln und rituelle Gesänge gehen im Straßenlärm einer Großstadt unter. In den vergangenen 25 Jahren legte der Autor Andreas Weiser bei seinen Reisen nach Brasilien ein umfangreiches O-Ton-Archiv an, auf dem das Hörstück »O Tom do Brasil« basiert, das heute nacht in deutschlandradio Kultur läuft. Mit seinen harten Schnitten und weichen Übergängen ist es gleichsam ein Echo der kulturellen Durchmischung, auch wenn viele Mauern die Favelas von den Reichenghettos trennen. Brasilien, das sind riesige Monokulturen, rasant wachsende Megacities und politisches Durcheinander. Die Staatspräsidentin und Nachfolgerin des linken Hoffnungsträgers »Lula« da Silva, Dilma Rousseff, ist derzeit innenpolitisch wegen einer Reihe unaufgeklärter politischer Morde und eines Finanz­skandals stark angeschlagen, die konservative Opposition setzt weitreichende Zugeständnisse durch. Die dringend notwendige Umverteilung von oben nach unten will und kann sie nicht anpacken.

(rw)


»O Tom do Brasil«, Freitag, 0.05 Uhr, Deutschlandradio Kultur

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Erschienen in der Ausgabe vom 09.06.2011, Seite 12, Feuilleton

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