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AKW-Gegner: Entsorgung ungelöst

Gorleben/Berlin. In der politischen Debatte um längere Laufzeiten der Kernkraftwerke wird nach Ansicht von Atomkraftgegnern das bislang ungelöste Problem der Entsorgung hochradioaktiver Abfälle weitgehend ausgeblendet. Schon bislang seien in Deutschland rund 5000 Tonnen hochaktiven Mülls angefallen, die oberirdisch in Zwischenlagern aufbewahrt würden, erklärte am Dienstag die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. Bleibe es bei dem im Jahr 2000 vereinbarten Atomausstieg, kämen insgesamt 17400 Tonnen zusammen. »Bei einer Verlängerung der Laufzeiten um zehn Jahre kämen 3700 Tonnen hinzu, bei einer Verlängerung um 20 Jahre gar 7400 Tonnen«, sagte BI-Sprecher Wolfgang Ehmke.

In Berlin machte Jochen Stay, Sprecher der Organisation »ausgestrahlt«, zudem darauf aufmerksam, daß »hinter den Kulissen (...) nicht über Jahre, sondern über Reststrommengen« verhandelt werde. Entscheidend sei am Ende, wie hoch die jährlich produzierte Strommenge pro Reaktorblock angesetzt werde. Viele alte Reaktoren hätten häufig Stillstandszeiten. Wenn die Bundesregierung aber pro Jahr einen durchgehenden Betrieb mit entsprechend hohen Kontingenten ansetze, entspreche die errechnete Jahreszahl bis zur Stillegung nicht der Realität: »Da können aus einer behaupteten Laufzeitverlängerung von zehn Jahren schnell 15 oder mehr Jahre werden.« Selbst, wenn das geltende Atomgesetz in Kraft bleibe, würden die letzten AKW »nicht wie behauptet 2022, sondern wahrscheinlich erst um das Jahr 2030 herum abgeschaltet werden«, so Stay. (ddp/apn/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 01.09.2010, Seite 4, Inland

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