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Am Rande

taz-Sexismus

Ein zweiseitiges Interview mit der Linke-Politikerin Sahra Wagenknecht hat die Berliner tageszeitung zum 1. Mai veröffentlicht. Überschrift: »Das Äußerliche spielt eine Rolle, ja«. Aha, denkt Frau, die Wagenknecht zerbricht sich also täglich stundenlang den Kopf über ihre Garderobe und über Lippenstiftfarben.

Dabei hat der dazugehörige Text nichts mit Modefragen zu tun. Etwas tumbe Frage der Interviewer: »Kennen Sie nicht diese Sprüche: Das ist ’ne Kluge, und schöne Beine hat sie auch?« Antwort: » (...) In den Medien spielt das Äußere eine Rolle, ja. Gerade bei Frauen. Über einen Mann mit Vollbart würde niemand schreiben, daß der Marx nachmacht.« Gut beobachtet und leidvoll selbst erfahren, denn in den 90er Jahren outeten bürgerliche Medien und PDS-Realos wie Lothar Bisky sich regelmäßig als geistige Gartenzwerge, indem sie behaupteten, Wagenknecht imitiere frisurmäßig Rosa Luxemburg, manch einer habe sie sogar schon hinken gesehen.


Die taz knüpft daran anno 2010 nahtlos an, indem sie, nachdem die Politikerin ungefähr 20 Beispiele für Ansichten aufgezählt hat, die sie inzwischen revidiert habe, fragt: »Ihnen ist also nie ein Licht aufgegangen?«. Soll wohl heißen: Warum haben Sie sich denn immer noch nicht vom Ziel einer sozialistischen Gesellschaft und dem er Entmachtung des Kapitals verabschiedet? (jf)
junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.05.2010, Seite 15, Feminismus

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