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Fußball: Gedenken von unten

München. Heute vor 125 Jahren wurde Kurt Landauer geboren. In den 1920ern verhalf er dem FC Bayern als Präsident zu Ansehen. 1932 gewann der FCB unter ihm die deutsche Meisterschaft. 1933 legte Landauer sein Amt nieder, 1938 wurde er als »Schutzhäftling/Jude« ins KZ Dachau verschleppt. Im Mai 1939 emigrierte er nach Genf. Über die folgenden Jahre heißt es in der Vereinschronik des FCB von 1950: »Die Parteipolitik und der wie Gift ausgestreute Rassenhaß machten auch vor der sportlichen Kameradschaft nicht halt.« 1947 kehrte Landauer aus dem Exil ins Präsidentenamt zurück und half dem Club durch die Nachkriegsjahre.

»Wer heutzutage etwas über die großen Verdienste Kurt Landauers und anderer jüdischer Persönlichkeiten im Sport erfahren möchte, muß verblaßte Zeitdokumente sichten«, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des FCB-Fanclubs Schickeria. »Das Gedenken von offizieller Vereinsseite an diese Persönlichkeiten erfolgt – wenn überhaupt – eher dezent im Hintergrund.« Diverse Fangruppen wollten einen Weg, der um die neue Arena verläuft, in Kurt-Landauer-Weg umbennen. »Die Entscheidungsträger versuchen es aber gezielt zu vermeiden, daß sich der FC Bayern aufgrund seiner Historie in der Ecke eines Juden-Clubs wiederfindet.« Frei von solchen Bedenken veranstaltet die Schickeria jedes Jahr ein antirassistisches Fanturnier um den Kurt-Landauer-Pokal. »Vielleicht ist es auch viel gesünder, wenn das Gedenken von der Fanbasis nach oben getragen wird«, heißt es in ihrer Pressemitteilung. (jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 28.07.2009, Seite 16, Sport

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