Zum Inhalt der Seite

Reine Spekulation

Vor einigen Monaten hat Christian Voigt aus Hamburg eine Internetplattform für ältere Fotos eingerichtet. Inzwischen lassen sich unter v-like-vintage.net ungefähr 50000 Aufnahmen anklicken. Auf den allermeisten sind Unbekannte zu sehen. Eine zeigt Willy Brandts Sohn beim Schultheater 1972 in Bonn. Eine andere Fidel Castro 1972 an der Reinhold-Huhn-Gedenkstätte. Er salutiert. Hinter ihm stehen Werner Lamberz, Erich Mielke u.a.. Wenn Voigt »im ddp-Interview« sagt, er wolle »dazu beitragen, daß diese einmaligen Foto-Dokumente der Nachwelt erhalten bleiben«, dann ist das bei diesem Bild nachvollziehbarer als beim ersten, das Voigt selber auf die Plattform gestellt hat: seine Großmutter als junges Mädchen 1902 auf dem Kölner Domplatz. Andere Nutzer sind ein »Über-80jähriger« und »eine der ältesten Stewardessen der Lufthansa«, weiß Voigt. »Natürlich wollen wir auch Geld verdienen«, sagte er der Agentur noch. Werbung auf der Seite schließt er aus. Gebühren von Nutzern auch. Der Rest seines Geschäftsmodells ist genausowenig profitabel. Die Rechte an den Bildern bleiben bei den Usern, ausdrucken läßt sich nichts. Sollte jemand von einem Foto einen Abzug haben wollen, möge er den Besitzer des Originals kontaktieren, sagt Voigt. Unter Umständen wird das schwierig. Das oben erwähnte Bild Castros ist einfach »vom Bundesarchiv hochgeladen« worden. Wenn man da einen Abzug bestellt, wird das teuer. Möglicherweise spekuliert Voigt darauf, an den Einnahmen des Staatsarchivs beteiligt zu werden. (ddp/jW)
junge Welt

Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Erschienen in der Ausgabe vom 15.04.2009, Seite 12, Feuilleton

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!