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Hintergrund: Finanzcrash in Rußland?

Derzeit häufen sich Warnungen anglo-amerikanischer Finanzmarktexperten, wonach Rußland ein finanzieller Zusammenbruch drohe, dessen strukturelle Auswirkungen mit denen der »isländischen Götterdämmerung« vergleichbar seien. Doch die Folgen für das westliche Bankensystem würden weitaus verheerender sein. Rußlands Finanzkrise breite sich derzeit mit Lichtgeschwindigkeit aus, da Ausländer ihre Guthaben im Land abzögen und der Kreditmarkt unmittelbar vor dem Zusammenbruch stünde.

Allein die Auslandsschulden der russischen »Oligarchen« beliefen sich auf 530 Milliarden Dollar und überstiegen damit die Devisenreserven des Landes. 47 Milliarden Dollar müßten bereits in den nächsten zwei Monaten zurückgezahlt werden. Zugleich hätten Ausländer der russischen Börse, deren Kurs in den vergangenen vier Monaten um fast 70 Prozent gefallen ist, den Rücken zugedreht. Als endgültiger Beweis für den unmittelbar bevorstehenden Kollaps des russischen Finanzsystems wird die Tatsache angeführt, daß die sogenannten Credit Default Swaps, also die Prämien für die Versicherung des Ausfallrisikos russischer Anleihen, inzwischen höher sind als die für isländische Anleihen kurz vor dem Zusammenbruch.

Die auf Bonitätsprüfungen spezialisierte US-Ratingagentur Standard & Poor hat vorige Woche vor russischen Anleihen gewarnt und deren Güte herabgestuft. Insbesondere die staatlichen Hilfspakete in Höhe von umgerechnet 200 Milliarden Dollar zur Sicherung der Liquidität russischer Banken und Industrie­unternehmen würden die Kreditwürdigkeit Rußlands untergraben. Zudem müsse das Land 2009 Devisen im Wert von 150 Milliarden Dollar aufbringen. Auf diese Summe beliefen sich die Kredite, die russische Unternehmen dem Ausland im kommenden Jahr zurückzahlen müßten.
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Wenn jedoch der derzeitige Preisverfalls für russische Exporte wie Öl und Gas und andere Rohstoffe anhält, werde Moskau Probleme haben, seinen Devisenbedarf sowohl für die notwendigen Importe als auch für die Kreditrückzahlungen zu decken.

(rwr)
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Erschienen in der Ausgabe vom 29.10.2008, Seite 3, Schwerpunkt

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