Zum Inhalt der Seite

Barriere Praxis

Schon 2004 bemängelte die Bundesregierung, daß die gesetzlich vorgeschriebene Regelung, wonach Sozialleistungen grundsätzlich in barrierefreien Räumen zu erbringen sind, insbesondere im Bereich der medizinischen Versorgung kaum umgesetzt würden. Die Apotheken Umschau berichtet über eine Untersuchung von Hildesheimer Studentinnen, die 180 Mediziner anschrieben, um deren Praxen daraufhin zu untersuchen, ob sie barrierefrei seien. 80 Ärzte wollten gar nicht mitmachen, und von den 100 Praxen, die sich beteiligten, erwiesen sich 20 als nicht barrierefrei. Doch nicht nur räumliche Mängel werden beklagt: Betroffene berichten etwa, daß Ärzte sie duzen oder über ihren Kopf hinweg mit Begleitpersonen reden. »Viele behinderte Menschen werden als Objekte behandelt und gedemütigt«, bestätigt Professorin Gisela Hermes, Leiterin des Lehrstuhls für Rehabilitation und Gesundheit an der Hochschule in Hildesheim. Auch die Informationsdefizite sind gravierend. So etwa wissen immer noch nur wenige Patienten und Ärzte, daß bei der Behandlung eines Gehörlosen ein Gebärdendolmetscher kostenlos zur Seite gestellt wird.

(ots/jW)
→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 02.10.2008, Seite 15, Natur & Wissenschaft

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!