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Schnitzelfondue (17)

Das Wiener Ernst-Happel-Sta­dion, in dem am Sonntag das EM-Finale stattfindet, hieß früher Prater-Stadion. Nach seiner Einweihung 1931 galt es als modernstes Stadion der Welt, weil es weniger als acht Minuten dauerte, bis das vollbesetzte Rund (damals noch 60000 Zuschauer) wieder leer war. Nach der Annexion Österreichs durch Nazi-Deutschland im März 1938 wurde es erst zur Kaserne, dann zum Gefängnis umfunktioniert. Im September 1939, nach dem Überfall auf Polen, wurden hier über tausend »polnisch-stämmige« Wiener Juden inhaftiert und zwar in den Gängen des Stadion Sektors B unterhalb der Tribünen. Erst seit 2003 erinnert hieran eine Gedenktafel im VIP-Bereich. An 440 Gefangenen wurden vom Naturhistorischen Museum sogenannte rassenkundliche Untersuchungen vorgenommen. Am 30. September 1939 wurden alle Gefangenen ins KZ Buchenwald deportiert, 44 davon 1940 wieder freigelassen, 26 wurden 1945 befreit, der Rest ermordet. Bereits am 1. Oktober 1939 fand wieder ein Fußballspiel im Stadion statt. (jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 28.06.2008, Seite 13, Sport

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