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Demokraten

Seeräuber werden in der Juni-Ausgabe der Geo von einem Wirtschaftsprofessor der George Mason University, Virginia, zu »Wegbereitern der modernen Demokratie« erklärt. Peter Leeson hat das Sozialgefüge der Freibeuter des »Goldenen Zeitalters« der Piraterie (1690 bis 1730) untersucht. Ein schriftlich niedergelegter Kodex sicherte die Gewaltenteilung und den Schutz des einzelnen vor der Willkür des Kapitäns. Die »Verfassung« der Freibeuter ist deutlich älter als jene der USA, Frankreichs und Spaniens und womöglich sogar ein Vorläufer der britischen »Bill of Rights« von 1689. Der Kodex verlangte, daß die Crewmitglieder per Mehrheitsvotum einen unabhängigen Quartiermeister wählten, der sich quasi als »Betriebsrat« der Belange der Mannschaft annahm. Zudem wurde festgelegt, in welcher Weise an Bord Gesetze erlassen werden konnten. Einzig während eines Kaperangriffs übte der Kapitän – selbst er wurde zuweilen demokratisch gewählt – absolute Macht aus. Entstanden sind die Regelungen aufgrund der schlechten Erfahrungen, die zu den Freibeutern übergelaufene Seeleute zuvor mit tyrannischen Schiffsherren der Handelsmarine jener Zeit gemacht hatten. Auch die lange Dauer der Raubzüge und meuterbereite große Crews zwangen die Piraten zu einer vergleichsweise liberalen, gerechten Sozialstruktur. Edward Teach, genannt »Blackbeard«, befehligte z. B. auf seinem Schiff »Queen Anne’s Revenge« 300 Mann, während ein gewöhnliches Handelsschiff nur 13 bis 17 Mann Besatzung hatte. (ots/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 23.05.2008, Seite 12, Feuilleton

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