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Zu wenig Profit

Krankheiten, für die sich die ­Pharmaindustrie wenig ­interessiert:

Tuberkulose. Jährlich sterben zwei Millionen Menschen an der durch Bakterien übertragenen Infektionskrankheit. Sie tritt vor allem als Folge von Mangelernährung und schlechten hygienischen Bedingungen auf. Das letzte Standardmedikament wurde vor mehr als 30 Jahren entwickelt, die schlecht wirksame Impfung stammt von 1923.

Malaria. Ebenfalls pro Jahr rund zwei Millionen Tote, davon die Hälfte Kinder. 90 Prozent der Todesfälle entfallen auf Afrika südlich der Sahara. Gegen die meisten Medikamente bestehen dort inzwischen Resistenzen.

Chagas. Auf den amerikanischen Kontinent konzentriert, dort sterben jährlich rund 50000 Menschen, 16-18 Millionen Menschen sind infiziert. Der Parasit wird durch den Kot von Raubwanzen übertragen und ist daher vor allem in Armenviertel anzutreffen. Bleibende Schäden am Herz, den Verdauungsorganen und an Nerven sind die Folgen. Die Diagnose ist technisch kompliziert, das zuletzt entwickelte Medikament Benznidazol von 1974.


Kala-Azar oder Leishmaniose. Jährlich infizieren sich etwa zwei Millionen Menschen mit dem Erreger, der durch eine blutsaugende Sandfliege von einem Menschen auf den anderen übertragen wird und vor allem auf dem indischen Subkontinent und in Ostafrika vorkommt. Hohes Fieber, Gewichtsverlust, Gelenkschmerzen und eine vergrößerte Milz sind die Folge. Unbehandelt führt die Krankheit zum Tod. Kala-Azar wird mit einem Medikament mit starken Nebenwirkungen aus den vierziger Jahren behandelt, das für die meisten Patienten mit rund 200 Dollar zu teuer ist. Ein preiswerteres Generikum ist in vielen afrikanischen Staaten nicht zugelassen.

Schlafkrankheit. Mitte der sechziger Jahre fast ausgerottet, heute sind 300000 Menschen infiziert. Obwohl sich Resistenzen gegen die eingesetzten Mittel ausbreiten, investiert die Pharmaindustrie kaum in die Entwicklung neuer Präparate.

(Quelle: »Ärzte ohne Grenzen«)
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Erschienen in der Ausgabe vom 22.05.2007, Seite 3, Schwerpunkt

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