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Schalke übellaunig weiter

Gelsenkirchen. Die Fans pfiffen erst und flüchteten dann, der Trainer wurde richtig laut, und die Spieler gifteten sich gegenseitig an: Viel Freude kam beim Einzug von Schalke 04 ins UEFA-Cup-Halbfinale am Donnerstag nicht auf. »Er war sauer, weil wir so schlecht gespielt haben, schrie rum und haute die Tafel runter«, berichtete Gerald Asamoah nach dem dürftigen 1:1 (0:1) gegen Lewski Sofia über die Halbzeit-Standpauke von Coach Mirko Slomka.


Der Schalker Cheftrainer, sonst häufig als der nette Herr Slomka beschrieben, zeigte nach einer grausamen ersten Halbzeit mit teilweise an Arbeitsverweigerung grenzender Leistung einiger Profis seine andere Seite. »Es war nicht ganz so angenehm in der Kabine«, räumte er nach Spielende ein.


Slomka war nicht der einzige, den der müde Kick des letzten deutschen Europapokal-Vertreters maßlos ärgerte. Die meisten der 52 973 Zuschauer in der Schalke-Arena machten ihrem Unmut zunächst mit gellenden Pfiffen Luft; und als die Gästeführung von Emil Angelow (24.) durch Lincoln (58.) ausgeglichen, das Weiterkommen aufgrund des 3:1-Hinspielsieges unter Dach und Fach war, verließen Tausende lange vor dem Schlußpfiff das Stadion.


Torschütze Lincoln hatte in der ersten Halbzeit mit seiner aufreizenden Lässigkeit sogar seine Mitspieler gegen sich aufgebracht. Erst leitete der Brasilianer mit einem Ballverlust am Mittelkreis das 0:1 ein, dann ließ er, wie Slomka es umschrieb, »einige Zweikämpfe aus«. Asamoah lieferte sich daraufhin mit dem Spielmacher ein hitziges, gestenreiches Wortgefecht, an dem sich auch andere Spieler beteiligten.


»Ich habe ihn darauf hingewiesen, daß er mitmachen soll«, meinte der deutsche Nationalspieler später, »das hätte sonst böse ausgehen können.« Asamoah, der als einziger Schalker gegen den 23maligen bulgarischen Meister wirklich engagiert zu Werke ging, kritisierte aber nicht nur den lustlosen Lincoln: »Einige haben wohl gedacht, daß es ganz einfach ging.«


Am 20. April geht es nun gegen den FC Sevilla.

(sid/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 08.04.2006, Seite 16, Sport

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