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WM-Kolumne

Halbfinale

Gras

Foto: snapshot/IMAGO
»Das allergrößte Ereignis in der Geschichte der Menschheit« (G. Infantino)

Ich begrüße den Rainer, den Nuß­eckenmann und Inhaber einer Oldtimersammlung, die er in einer Halle in Rudelsdorf hegt und pflegt, mit einem leicht abgewandelten Satz von Christoph Kramer: »Die Schweiz muss mit dieser Mannschaft kreieren!«

»Ich wette«, sagt der Rainer vor dem »Startrampen-Spiel« (Süddeutsche Zeitung) Katar contra Schweiz, einem Match, das »eine Mannschaft scharfmachen und zuspitzen« soll (Süddeutsche Zeitung; den Trampeln da unten an der Isar ist wahrlich nicht mehr zu helfen), »ich wette, dass die Schweiz ins Halbfinale kommt.«

»Dann kaufe ich mir ein Stück Parmesan und schieße Löcher rein«, sage ich.

Zügig stellt sich heraus, welch ausgeprägtes Duldungsvermögen man beim Fußballgucken benötigt. Zumal der Katarer Afif, der schon »viel lange aktiv war« (Laura Wontorra), ist eine Plage. Unentwegt schnabelt er auf den Schiedsrichter ein. Vor der Ausführung einer Ecke hält er eine diskursanalytische Vorlesung, jeden Pfiff dekonstruiert er mit Hilfe von Paul de Man. Immerhin gleicht er äußerlich einer Comicfigur.

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In der Halbzeitpause liefert der »Analysemoderator« von Magenta TV, Jan Henkel, den Kopfwehkünstlern unter uns nahrhaftes Futter. Der Kommentator Julian Engelhard spricht über einen müden Akteur, »der das Sportlergen im Blut hat«, und meint: »Polyvalent sagt man so gerne.«

Ich sage »polyvalent« nicht so gerne und erfahre, der Marktwert des französischen Kaders betrage 1,5 Milliarden Euro. Frankreichs Semifinalteilnahme dürfte gekauft sein.

Zwei Tage vor dem Startschuss zum »allergrößten Ereignis in der Geschichte der Menschheit« (G. Infantino) saß ich mit dem Ungarn im Seven Bistro. Der Ungar ist fußballsüchtig. Er wollte irgendein Livespiel schauen. Adrian, die Thekenkraft, fand unter den zirka tausend Sendern schließlich die Übertragung von Aserbaidschan gegen San Marino, vor ungefähr acht Zusehern auf den Rängen.

Der Ungar und ich waren zufrieden. Wir mussten viel lachen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.06.2026, Seite 16, Sport

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