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Tintensammler

Vom »Malträtieren unvollkommmener Automaten« handelt das neue Buch von Stephan Katz (Zeichnungen) und Max Goldt (Texte). Deshalb heißt es auch so und bietet die wirklich wichtigen Themen des Lebens: Opernhausdächer und Zieharmonika-Flugzeuge. Es wurde unter erschwerten Bedingungen angefertigt: Die alte »Art Pen«-Tinte gibt's nicht mehr. Ein herber Schlag ins Antlitz aller Cartoonisten. Stephan Katz hat vorgesorgt: Als er hörte, daß die »Anna Amalia« brennt, schnappte er sich sämtliche Tiegel, Näpfe und Joghurtbecher, deren er habhaft werden konnte, und reiste nach Weimar, um möglichst viel Löschwasser aufzufangen. Ihm deuchte, daß sich in diesem Wasser Druckerschwärzepartikel aus alten Werken angereichert haben könnten, z.B. von Wieland, Herder, Goldt, Klopstock, Goethe und wie die auch alle geheißen haben mögen. Zu Hause dämpfte er das Löschwasser ein, wodurch er zu einer ganz vortrefflichen Tinte gelangte, mit der Passagen des hier vorliegenden Druckerzeugnisses zumindest rein theoretisch hätten gezeichnet werden können.  (jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 07.02.2006, Seite 13, Feuilleton

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