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Literatur

Deutsche unter den Opfern

Der International Booker Prize geht in diesem Jahr an die Taiwanerin Yang Shuang-zi für die englische Übersetzung ihres Romans »Taiwan Travelogue«. »Taiwan Travelogue« spielt im von Japan besetzten Taiwan der 30er-Jahre. Im Fokus stehen zwei Frauen: die eine Autorin aus Japan, die andere eine lokale Übersetzerin. Sie bereisen das Land zusammen und teilen nicht nur ihre Leidenschaft für kulinarische Genüsse, sondern lernen sich auch lieben. Doch die politische Unterdrückung hat ihre Auswirkungen auf die Beziehung der beiden. Unnötig zu erwähnen, dass Yang Shuang-zi bei der Preisverleihung im Londoner Kunstmuseum Tate Modern irgendwas von »vielerlei kolonialer Unterdrückung« erzählte, Invasionsdrohungen und der »Kraft der Literatur«.

Der International Booker Prize ist einer der international renommiertesten Literaturpreise und mit 50.000 Pfund (etwa 58.000 Euro) dotiert, die je zur Hälfte an die Autorin oder den Autor und Übersetzerin oder Übersetzer gehen. Ausgezeichnet wird ins Englische übersetzte Prosa. Preisträgern und Nominierten ist weltweit Aufmerksamkeit gewiss.

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Die beiden Deutschen auf der Shortlist gingen leer aus. Shida Bazyar war mit ihrem Debütroman »Nachts ist es leise in Teheran« von 2016 nominiert und Daniel Kehlmann mit dem 2023 auf Deutsch erschienenen Roman »Lichtspiel«. Dass gleich zwei Deutsche in der Auswahl standen, wurde in den deutschen Feuilletons gefeiert wie ein deutsch-deutsches Champions-League-Finale. Die Süddeutsche Zeitung fand, das sei ein »bemerkenswerter Wendepunkt«. Die Zeit hatte Bazyar und Kehlmann schon vorab jeweils eine Laudatio gewidmet. (dpa/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.05.2026, Seite 10, Feuilleton

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