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Nachschlag: Familienvertrag

→ Shoplifters. Mo., 20.15 Uhr, One

Foto: imaginechina/IMAGO
Kurzer Ausbruch aus dem Elend: Ein Tag am Meer

Wer der aufdringlich-plakativen Dramen eines Ken Loach müde ist, mag hier entdecken, wie soziales Drama funktioniert, als Einheit von Handlung und Bedeutung, das Gezeigte spricht selbst. Die Sache begibt sich in Tokio. Vater und Sohn treffen auf dem Heimweg vom Ladendiebstahl, der bei ihnen die Stelle des Wocheneinkaufs füllt, auf ein kleines Mädchen, das hungrig ist und friert. Sie nehmen es mit nach Hause, wo sie eine Wohnung teilen mit Mutter, Großmutter und Enkeltochter. Man ahnt bald, dass der Vorfall nicht der erste seiner Art war, und es stellt sich die Frage, ob hier überhaupt irgendwer mit irgendwem verwandt ist. Wie in Brechts »Kreidekreis« ist es die Liebe, die die Familie konstituiert, nicht das Blut. Im internationalen Titel »Shoplifters« ist der Sinn des Originals verloren: »Manbiki kazoku« bedeutet »Diebstahlfamilie«, was beides meint: eine Familie von Dieben und die (zusammen)gestohlene Familie. Man sieht die deformierte Moral in einer Welt äußerster Armut, doch diese Deformation macht ein Stück erhaltene Menschlichkeit aus. (fb)

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Erschienen in der Ausgabe vom 04.11.2026, Seite 14, Feuilleton

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