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Geschichtsstunde des Tages: Twitter-Krieg

Von Nick Brauns
Foto: x.com/LeLeluax
Dieses Meme gilt als Auslöser des X-Kriegs zwischen Chinesen und Türken

Seit einer Woche herrscht Krieg zwischen China und der Türkei. Gar ein Weltkrieg, in den inzwischen auch Griechenland, Frankreich, Russland und die Kurden, Japan und Südkorea eingetreten sind. Kriegsschauplatz ist die Social-Media-Plattform X, die Waffen sind humoristische und historisch-aufklärerische, auch nationalistische und beleidigende Posts und Memes.

Als Gavrilo Princip dieses »1. Twitter-Kriegs« gilt ein chinesischer Nutzer namens @Leleluax. Am Montag antwortete er auf das China-Katzen-Meme eines türkischen Nutzers mit einem Bild aus der Zeichentrickserie »Spongebob Schwammkopf«: Seestern Patrick Richard Star am Fallschirm, als Anspielung auf Halbmond und Stern der türkischen Flagge. Eine Provokation, die türkische Nutzer mit Bildern der Chinesischen Mauer konterten, die ja aus Angst vor den Türken erbaut worden sei. Chinesen hielten mit Blick auf osmanische Geschichte dagegen, heutige Türken hätten nichts mit den damaligen Steppenkriegern gemein. Sie verwiesen statt dessen auf deren griechische und kaukasische Vorfahren. Eine Lektion, die mancher stolze Türke, der seine Abstammung per Gentest bis Dschingis Khan zurückverfolgen wollte, bereits schmerzhaft erfahren musste.

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Als Türken daraufhin die Lage der Uiguren ins Feld führten, konterten Chinesen mit Verweis auf die Kurden. Prompt ließen kurdische X-Nutzer Mao und Öcalan Hand in Hand über die Große Mauer wandeln. Dass an der Universität Beijing bald ein Kurdisch-Institut eröffnet wird, gibt der neuen Freundschaft sogar eine materielle Basis.

Die meisten chinesischen X-Kriegsteilnehmer dürften Auslandschinesen sein, schirmt doch die Große Firewall Bewohner der Volksrepublik vor den Zumutungen von Elon Musks Netzwerk ab. Mit der realen Welt hat dieser X-War ohnehin nur begrenzt zu tun: Erst Mitte Oktober bekräftigten die Außenminister Chinas und der Türkei die strategische Partnerschaft beider Länder.

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Erschienen in der Ausgabe vom 26.10.2026, Seite 3, Ansichten

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