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Angst vor Gen Z

Foto: Stephane Mahe/REUTERS
Die Anime-Charaktere auf Fahnen und Bannern von Gen Z sind auch ohne »Vereinnahmung« antiautoritäre Vorbilder

Mit jedem Tag, mit dem der 31. Oktober näher rückt, erklären die Medien der aufgewühlten Jugend aufs neue die Spielregeln für »demokratischen« Protest: friedlich und geordnet, maßvoll und ohne »Vereinnahmung«. Individuelle Meinungen gerne, kollektive politische Forderungen nur mit Rücksicht auf den angespannten Haushalt.

Die Braunschweiger Zeitung stellt mit Blick auf die Vorgänge in Frankreich fest: »Gekapert werden die Demos von – zumeist gar nicht schulpflichtigen – Linksextremen und gewaltaffinen jungen Männern aus migrantisch geprägten Vororten.« Der Neuen Osnabrücker Zeitung zufolge »stürmten die Horden Geschäfte, Denkmäler und Amtsgebäude, während auf den ersten Blick erkennbar war, dass es sich bei den Tätern weder vom Alter noch der Motivlage her um Schüler handelte«. Eindeutig »Vereinnahmung« durch »Linksextremisten«.

Das gleiche Schema bei Bild: »Krawallgefahr! Wie die Linke die Frankreich-Proteste nach Deutschland holen will.« Demnach »wollen die Linksextremen auch migrantische Gruppen in Deutschland aufstacheln«. Dagegen werden bereits Präventivmaßnahmen ergriffen: So »sollen besonders in den Großstädten Wasserwerfer und Räumpanzer bereitstehen, mehrere Hundertschaften eingesetzt werden«. Das Portal Apollo News wiederum fühlt sich bei »Gen Z regelt« »optisch stark an die Website des Antifa-Bündnisses ›Widersetzen‹« erinnert. Weniger reißerisch, doch ebenso besorgt der NDR: »Denn im Zusammenhang mit den angekündigten Protesten sind immer wieder auch Aufforderungen zu Plünderungen im Internet zu finden. Die Polizei nimmt das ernst und beobachtet deshalb auch sehr genau, was auf Social-Media-Plattformen geteilt wird.«

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Dass die Polizei bereits gegen einige Jugendliche ermittelt, die sich in einem Chat darüber ausgetauscht hatten, »wer Böller und Rauchbomben mitbringt«, berichtet der Bonner Generalanzeiger. Geradezu beruhigend dagegen die B. Z.: »Es fehlt die kritische Masse aus frustrierten Jugendlichen und gewaltbereiten Extremisten. Nur sie könnte in mehreren Städten gleichzeitig solche Straßenschlachten auslösen.«

Lediglich im ZDF kommt mit Rose Sözer eine Schülervertreterin selbst zu Wort, die indessen so klingt wie die Alten, wonach nämlich »die Anliegen der Jugendlichen durch andere Gruppen instrumentalisiert und politisch vereinnahmt werden könnten«. Fenja Basen, Gen-Z-Autorin beim Stern, sieht ihre Generation dabei selbst in der Verantwortung: »Wir wollen demonstrieren und nicht den nächsten ›Purge‹-Teil drehen.«

Die Rheinische Post immerhin zitiert den Soziologen Nils C. Kumkar: Was die Debatte über die Proteste befeuere, ob in Frankreich oder Deutschland, sei ein »antikommunistisches Fantasma«. (fh)

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Erschienen in der Ausgabe vom 24.10.2026, Seite 2, Ansichten

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