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Theater

König Bubu

Klassiker des Absurden: »Ubu Roi – König Ubu« von Alfred Jarry am Wiener Burgtheater

Foto: Tommy Hetzel/Burgtheater
Der Vater Stefanie Reinsperger und die Mutter Sebastian Wendelin

Nachdem die 80er Heroes von Trio 1982 mit »Da Da Da« buchstäblich ihr dadaistisches Potential verschossen hatten, blieb irgendwann nur noch, »Turaluraluralu, ich mach Bubu, was machst du«.

Kindlich-kindisches passt durchaus zu Alfred Jarrys »Père Ubu«, später »Ubu Roi«, entstanden als Abrechnung mit einem verhassten Physiklehrer, der für die Schüler »alles Groteske dieser Welt« verkörperte. Die Geschichte des feisten, fress- und herrschsüchtigen Offiziers des polnischen Königs Wenzel, der, aufgestachelt von seiner Ehefrau, den König ermorden lässt, um selbst auf den Thron zu gelangen, ist in der Tradition eindimensionaler Figuren des internationalen Kasperletheaters und Zirkus angelegt. Dummer August und Weißclown oder Laurel und Hardy, auch Vater (Père) François und Mutter (Mère) Victorine Ubu sind eine klassisch-komödiantische Paarung, wenn auch eher einem Shakespeare-Drama als einer Hanswurstiade entsprungen.

»König Ubu: (…), dass ich den gesamten Adel vernichten und seine Güter beschlagnahmen werde, um das Königreich zu bereichern. Die zum Tode Verurteilten werde ich durch die Falltür stoßen, sie werden in die Groschenkammer gesteckt, wo man ihnen das Gehirn auspressen wird.«

Woody Allens »Bananas«, die Dystopien »1984« und »Fahrenheit 451« – die Realität hat all das längst hinter sich gelassen. Nicht erst seit Paul Austers Roman »Baumgartner« mit der Beschreibung eines »geistesgestörten Ubu im Weißen Haus« kann man die bereits vor über 130 Jahren (Uraufführung 10.12.1896) entstandene Figur des jungen Bretonen (1873–1907) kaum noch als surreal empfinden: »König Ubu: Zuallererst werden die Richter kein Gehalt mehr bekommen. Ins Loch mit den Richtern! – Mutter Ubu: Wer soll denn jetzt für Gerechtigkeit sorgen? – König Ubu: Ich! Du wirst sehen, wie gut das geht.«

Regisseur und Burgtheaterintendant Stefan Bachmann hat sich nicht dazu hinreißen lassen, allzu naheliegende Parallelen zur Weltpolitik zu ziehen. Doch statt einer wilden, brutalen Farce gibt es Splatter-Kaschperl für Arme. Es ist schwer, den verrückten König Ubu angesichts der aktuellen Menschheitsbedrohung nicht wie ein Waisenkind aussehen zu lassen, an der Ringstraße hat man sich für eine Art böses Weihnachtsmärchen entschieden.

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Dem Premierenpublikum gefällt’s. Gejohle, Handys werden gezückt, als sich zu Beginn eine große Plüschkuh durch die vorderen Reihen zwängt. Der Kuh entsteigen schließlich Stefanie Reinsperger und Sebastian Wendelin als Vater und Mutter Ubu. Ursprünglich war klassisches Gendering vorgesehen, Ubu Joachim Meyerhoff und Reinsperger als Gattin. Aus Krankheitsgründen musste umbesetzt werden, sogar relativ kurzfristig, in diesem Zusammenhang ein großes Kompliment an die Schauspieler.

Stefanie Reinspergers große Kunst ist der Wechsel von zart zu polternd, als Liliom, ebenfalls eine Männerrolle an der Burg, funktioniert das, der böse König aber lässt ihr nur das Schreien und Schimpfen. Gekonnt und durchaus lustig, aber letztendlich entsetzlich harmlos. Daran ändert auch der wirklich komische Wendelin nichts – Bubu statt Ubu.

Im Stil der berühmten Wiener Doppelconférence bleibt das Königspaar den ganzen ersten Teil (der Abend ist mit zwei weiteren, unbekannteren Stückchen, »Ubu Hahnrei« und »Ubu in Ketten« zusammenmontiert) vor dem roten Bühnenvorhang und bietet Mitmachtheater. Statt auf »Seid ihr alle da?« antworten zu müssen, gibt’s »Hoch lebe Mutter Ubu« im Chor, immer wieder werden Zuschauer auf die Bühne geholt, um zu morden oder ermordet zu werden, gelegentlich amüsant, aber alles ein bisschen viel des Guten. Ich bin heilfroh, dass am Ende keine Zwangspolonaise durchs Parkett ansteht.

Später kommen Bühnenbild und weitere Schauspieler dazu, der letzte Teil, »Ubu in Ketten« hätte Potential: »Es lebe die Freiheit! Wir sind frei, zu tun, was wir wollen, selbst gehorchen: Wir können gehen, wohin es uns gefällt, selbst ins Gefängnis oder auf die Galeeren!«

Doch hat sich mittlerweile Langeweile eingeschlichen, die philosophischen Fragen versinken in allgemeiner Müdigkeit, vielleicht sind die Antworten auch längst Konsens.

»Alle: Es lebe die Sklaverei! Jetzt sind wir an der Reihe, Sklaven zu sein, zum Teufel! Die wahre Freiheit ist die Sklaverei!«

Nächste Aufführungen: 21.10., 29.10., 4.11.

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.10.2026, Seite 11, Feuilleton

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