Verrat am Staat
Der israelische Kulturminister Miki Zohar will den beiden preisgekrönten Regisseuren der Gaza-Dokumentation »Naza« die Staatsbürgerschaft entziehen. Zohar warf der Filmemacherin Rachel Szor und ihrem Kollegen Yuval Abraham am Sonntag im Onlinedienst X »Verrat am Staat« Israel vor. Sie seien bereit, »ihrem Heimatland zu schaden, um Beifall von Antisemiten auf der ganzen Welt zu erhalten«. Er werde daher »unverzüglich Maßnahmen ergreifen«, um Szor und Abraham die israelische Staatsbürgerschaft zu entziehen. Der extrem rechte Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir griff die beiden ebenfalls scharf an. »Ihr seid eine Schande und eine Blamage für das gesamte israelische Volk. Verschwindet!« schrieb er am Sonntag auf X.
»Naza« war am Sonnabend beim Filmfestival von Venedig mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet worden. Die Dokumentation war bei ihrer Premiere in Venedig mit 25 Minuten lang mit stehenden Ovationen gefeiert worden und wurde auch von Kritikern hochgelobt. In »Naza« berichten israelische Militärvertreter und Geheimdienstler anonym, wie die israelische Armee im Gazastreifen palästinensische Zivilisten tötete. Yuval Abraham war schon Koregisseur des oscarprämierten Dokfilms »No Other Land« (2024) über israelische Verbrechen an Palästinensern im Westjordanland.
Der Entzug der Staatsangehörigkeit ist in Israel rechtlich möglich, wird jedoch selten angewendet. Der Oberste Gerichtshof bestätigte 2022, dass ein solcher Schritt möglich sei, wenn die Beschuldigten durch Spionage oder Verrat ihre »Loyalität« gegenüber dem Staat gebrochen haben. 2023 wurde das entsprechende Gesetz auf »Terror«-Delikte ausgeweitet. Ein Entzug der Staatsbürgerschaft muss demnach vom Innenminister beantragt, vom Justizminister genehmigt und schließlich von einem Richter bestätigt werden. Was im gegenwärtigen politischen Klima des Landes durchaus möglich scheint. (AFP/jW)
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