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Tischtennis

Blitzschnelle Rückhandduelle

Die besten Tischtennisspieler der Welt beim WTT Europe Smash in Malmö

Von David Siegmund-Schultze
Foto: Xinhua/IMAGO
Harimoto Tomokazu hatte im Finale das Nachsehen (Malmö, 16.8.2026)

Déjà-vu in Malmö: Im Halbfinale der Europe Smash ist es am Sonntag zur Neuauflage des Halbfinals von Yokohama gekommen. Wie schon eine Woche zuvor lieferten sich die beiden japanischen Tischtennisspieler Matsushima Sora und Harimoto Tomokazu ein enges Duell. Am Ende konnte sich Harimoto erneut mit seiner Erfahrung und Nervenstärke gegen das Toptalent Matsushima durchsetzen. Harimoto ist zwar erst 23, gewann jedoch bereits mit 14 Jahren seinen ersten internationalen Titel bei den Czech Open 2017. Ein Jahr später holte er sich den Titel bei den ITTF World Tour Grand Finals, dem bis dato wichtigsten internationalen Turnier neben Olympia und der Weltmeisterschaft. Die vielen Jahre auf Weltklasseniveau hat man dem Weltranglistenvierten Harimoto sowohl in Yokohama als auch in Malmö angemerkt.

Noch vor einer Woche ging der auf Platz drei der Weltrangliste stehende Matsushima nach einer herausragenden Saison sogar als leichter Favorit in das Duell. Der 19jährige besticht durch seinen aggressiven, schnellen Spielstil und harte Schläge. Dem Druck vor heimischem Publikum in Yokohama war er jedoch nicht gewachsen. Einmal in Fahrt, ist Matsushima kaum mehr aufzuhalten. Doch wenn er aus dem Tritt kommt und mit sich hadert, schleichen sich schnell Fehler ein. Die nutzte Harimoto dann eiskalt aus.

Das gleiche Spiel wiederholte sich in Malmö. Nachdem sich die Japaner die ersten fünf Sätze lang weitgehend neutralisiert hatten – es stand 3:2 in Sätzen für Matsushima –, lag das Momentum zu Beginn des sechsten Satzes bei dem 19jährigen. Schnell stand es 7:0 für ihn (wer vier Sätze holt, gewinnt bekanntlich das Spiel). Alles sah danach aus, als ob die Revanche für das verlorene Halbfinale von Yokohama gelänge. Doch Harimoto kam zurück – und wie. Er gewann den Satz noch mit 11:8 und auch den Entscheidungssatz mit 11:6.

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Ein weiteres Mal zeigte sich, wie sehr es beim Tischtennis um Konzentration geht, um das Momentum, den Flow. Bei Schlägen mit Geschwindigkeiten von bis zu 170 Kilometern pro Stunde und wenigen Metern Abstand zwischen den Spielern entscheiden kleinste Details. Harimoto zeichnet sich durch Konstanz aus, er verliert auch in scheinbar aussichtslosen Situationen nicht die Konzentration, während Matsushima eher für die besonderen Schläge bekannt ist – und die kamen auf einmal nicht mehr an. Wie sein Kontrahent steht auch Harimoto für Schnelligkeit. Immer nah an der Platte und mit einem außerordentlichen Reaktionstempo ausgestattet, ist der 23jährige für seine Konterschläge bekannt. Wenn er mit der Rückhand zuschnappt, bleibt für den Gegner oft nur noch das Nachsehen.

Gleiches gilt für seinen Kontrahenten im Finale von Malmö, Félix Lebrun. Der auf Platz fünf der Weltrangliste stehende Franzose gehört mit seinen 19 Jahren ebenfalls zu den jungen Wilden des Sports – der Reihe an hochtalentierten Spielern, die die chinesische Dominanz ins Wanken bringen könnten beziehungsweise das bereits tun (zumindest bei den Männern). In 4:0 Sätzen bezwang Lebrun im Halbfinale souverän den Slowenen Darko Jorgić. Wie Harimoto bevorzugt es Lebrun, nah an der Platte zu bleiben. Auch er ist sehr reaktionsschnell und will die Ballwechsel rasch entscheiden. Der große Unterschied: Lebrun spielt mit der Penholder-Haltung – einst die Standardschlägerhaltung in Asien, war sie zwischenzeitlich nahezu ausgestorben. Nun hat ausgerechnet der junge Franzose sie wiederbelebt. Weil die Rückseite des Schlägers dabei fast komplett von den Fingern bedeckt ist, war die Rückhand immer die Schwäche beim Penholder. Doch mit leicht modifizierter Haltung, hat sie Lebrun zu seiner Stärke gemacht. Mittlerweile hat er vielleicht sogar die beste Rückhand der Welt.

Als wollte er das im Finale unter Beweis stellen, legte Lebrun am Sonntag abend einen furiosen Start hin. Die blitzschnellen Rückhandduelle konnte der Franzose meist für sich entscheiden. Erst im dritten Satz kam Harimoto besser ins Spiel und konnte auf 2:1 verkürzen. Ab dann war das Duell so richtig eröffnet: Die Ballwechsel wurden länger, umkämpfter, beide erhöhten das Risiko und Tempo. Doch Lebrun zeigte seine Reife und konnte den vierten Satz knapp mit 11:9 für sich entscheiden. Danach warf Harimoto alles rein, zeigte sein bestes Tischtennis, aber Lebrun fand auf jede Attacke eine Antwort, konnte selbst Schmetterbälle zurück auf die Platte bringen und sich mehrfach aus fast aussichtsloser Position retten. Am Ende stand Lebrun als strahlender Sieger da und konnte den ersten Grand-Smash-Pokal seiner Karriere in die Höhe recken.

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.08.2026, Seite 16, Sport

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