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Könige des Öls
Iran-Krieg: Auf Bitten Saudi-Arabiens verzichtet Trump auf nächste Angriffswelle. Hauptziel ist Stärkung der US-Wirtschaft
Am Sonnabend griff der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman zum Telefon. Sein Gesprächspartner: Donald Trump. Zur Debatte stand, wie US-Medien unter Berufung auf mit den Plänen vertraute Beamte berichteten, eine mehrtägige US-amerikanische Operation gegen die zivile Energieinfrastruktur Irans – Kraftwerke, Raffinerien –, mit dem Ziel, die Stromversorgung Teherans über Tage hinweg lahmzulegen. Es wäre die bislang schwerste Eskalationsstufe des seit fünf Monaten andauernden Krieges gewesen: ein direkter Schlag gegen die zivile Versorgung eines Landes von mehr als 90 Millionen Menschen – ein Kriegsverbrechen.
Aus saudischen Kreisen hieß es, der Kronprinz habe Trump in dem Telefonat gedrängt, auf weitere Angriffe zu verzichten und einer Deeskalation Vorrang zu geben. Wenige Stunden später erklärte Trump, er setze die geplanten Angriffe aus, weil Iran sowie mehrere Staaten der Region um Aufschub gebeten hätten und die »Eckpunkte einer Einigung« bereits feststünden. Diese umfasse die sofortige und vollständige Öffnung der Straße von Hormus sowie ein Ende der iranischen »nuklearen Bedrohung«. Israel unterstütze diesen Kurs ebenfalls. Teheran wies das umgehend als Lüge zurück und erklärte, man habe Washington um nichts gebeten. Die Streitkräfte befänden sich in höchster Alarmbereitschaft.
Washington fährt damit die Kriegshandlungen erneut auf ein niedrigeres Niveau zurück. Das Muster wiederholt sich seit dem Großangriff vom 28. Februar auffällig regelmäßig: Ende März eine zehntägige Aussetzung der Angriffe auf iranische Energieanlagen, im Juni kurzfristige Waffenruhen nach begrenzten Bombardements. Vom 12. bis 24. Juli folgten dreizehn Bombardierungsnächte in Serie, dann vier Tage Pause, darauf wieder ein zweistündiger Beschuss am 29. Juli – und nun die Absage der bereits vorbereiteten Operation gegen Irans Energieversorgung.
Dieses Muster lässt sich als Regelkreis lesen. Zeitpunkt und Intensität der US-Angriffe sind die Stellgröße – Vergeltungsschläge des Iran oder der Ansarollah im Jemen, der Ölpreis und das Verhalten der Golfstaaten liefern die Rückmeldung. Ziel ist weder die Öffnung der Straße von Hormus noch eine echte Stabilisierung der Region, sondern ein möglichst dauerhaft gestörtes politisch-wirtschaftliches System am Golf bei minimalem US-Ressourceneinsatz. Bombardierungsphasen führen dem Konflikt neue Energie zu, halten die Hormus-Straße und den Bab Al-Mandab unter Druck. Die folgenden Verhandlungsphasen senken den Einsatz von US-Ressourcen, ohne die Störung zu beenden.
Washington setzte bislang auf intensive Angriffsserien, die den Iran rasch und entscheidend schwächen sollten. Eine erkennbare Schwächung blieb allerdings aus. Der Iran antwortet mit unerwartet potenten Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen – gegen US-Infrastruktur in der Region und gegen die Infrastruktur jener Staaten, die den USA ihre Basen zur Verfügung stellen. Damit bindet Teheran teure Abfangkapazitäten und zwingt Washington in einen Abnutzungskrieg, den die US-Streitkräfte kaum durchhalten können.
Wenn es allerdings nicht um eine Niederringung Irans geht, sondern um die dauerhafte Destabilisierung des Golfsystems, reichen US-amerikanische Angriffe mittlerer militärischer Intensität. In den Kriegsphasen auf niedrigem Niveau dazwischen sinkt der US-Ressourcenverbrauch, ohne dass die Störung der Energieströme abklingt. Von diesem Zustand profitieren Teile der US-Energiewirtschaft: Hormus allein war vor dem Krieg Durchgangsroute für rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gasversorgung. Während der fortdauernden Störung der Golfenergieflüsse konnten die USA zugleich ihre Rolle als Öl- und Gasexporteur ausbauen. Ob Washington diese Wirkung bewusst anstrebt oder lediglich in Kauf nimmt, bleibt offen. Die Abfolge der bisherigen Wellen entspricht jedoch auffällig genau diesem Interessenprofil.
Und die US-Interessen lassen sich klar ablesen: Auf seiner Plattform »Truth Social« feierte Trump unmittelbar nach der Ankündigung, die Bombardierungen der iranischen Energieinfrastruktur nicht durchzuführen, einen historischen Rekord US-amerikanischer Rohölexporte. »Dank Präsident Donald J. Trump schießen die amerikanischen Rohölexporte in die Höhe!« schrieb er über ein Diagramm der US-Energiebehörde und erklärte die USA zum »König des Öls«. Während die zentralen Energie- und Handelsrouten der Konkurrenz im Persischen Golf und Roten Meer weiter blockiert bleiben, verkauft der US-Präsident steigende US-Exporte als eigenen politischen Erfolg – ein Zusammentreffen, das sich auffällig in das Bild einer Kriegführung fügt, deren wirtschaftliche Folgen den Vereinigten Staaten unmittelbar zugute kommen.
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