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Frauensport

»Frauen fühlen sich bei uns gesehen«

Der Honeyball Club zeigt Frauensport in Köln und schließt so eine Lücke. Ein Gespräch mit Gründerin Christina Eckstein

Von Kevin Goonewardena
Foto: Christina Eckstein
Gemeinscham schaut sich’s schöner: Fußball im »Honeyball Club«

Unter dem Titel »Honeyball Club« zeigen Sie in Kneipen und Bars Sport von Frauen für Frauen – wie kam es dazu?

Ich war immer schon ein großer Sportfan, habe selbst Fußball gespielt und immer auch andere Sportarten ausgeübt. Mit der Zeit habe ich mich stärker für Frauensport zu interessieren begonnen und irgendwann nach einem Raum gesucht, wo ich Frauensport in Gemeinschaft gucken kann – den gab es aber nicht.Zur Vorbereitung für den Honeyball Club habe ich viele Studien gelesen, aus denen hervorgeht, dass sich das Fantum bei Frauen und Männern unterscheidet, also die Art, wie sie ihr Fansein ausleben. Frauen wollen Sport vor allem zusammen mit anderen gucken. Vier von fünf Befragten schauen lieber in der Gemeinschaft als allein zu Hause.Aus der Verwunderung heraus, dass es so ein Angebot bisher nicht gibt, habe ich eben eins ins Leben gerufen.

In Köln haben Sie dann die erste Veranstaltung durchgeführt.

Insgesamt waren es drei, die ich als Test geplant hatte. Ich wollte einfach mal schauen, wie das Angebot ankommt. Alle drei Veranstaltungen waren ausverkauft. Die Nachfrage war so groß, dass ich gar nicht so viele Tickets anbieten konnte, wie Leute kommen wollten.Das hat mich natürlich sehr gefreut, dass nicht nur ich das so empfunden habe, sondern auch viele andere – und nicht nur Frauen. Die Idee ist, den Honeyball Club ab der nächsten Saison regelmäßig zu veranstalten.Das Format ist zwar FLINTA*-zentriert (­FLINTA* ist eine Abkürzung für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nichtbinäre, trans und agender Personen, jW), aber auch Allys sind herzlich willkommen. Mittlerweile ist eine kleine, schöne Community entstanden. Es gibt Frauen, die bei allen drei Events dabei waren, andere, die das Format erst neu entdeckt haben. Für alle aber ist der Honeyball Club ein Wohlfühlraum.

Frauen verfolgen Sport also lieber in Gemeinschaft. Welche Unterschiede im Fantum gibt es noch zwischen Frauen und Männern?

Männer definieren sich klassischerweise über Vereinszugehörigkeiten, über Rivalitäten. Wenn man in Köln Fußballfan ist, dann für gewöhnlich Fan vom 1. FC Köln – und Gladbach wird gehasst. Bei Frauen ist das meist nicht so, die definieren sich weniger über die Vereinszugehörigkeit, sondern sind eher Fans des Sports an sich – sagen wir Fußballfans. Oder sie finden einzelne Wettbewerbe attraktiv, etwa die Champions League der Frauen.

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Das Format Honeyball Club ist zwar für alle offen, richtet sich aber insbesondere an FLINTA*-Personen. Wie sieht diese FLINTA*-Zentrierung aus, von der Sie eingangs sprachen?

Zuerst einmal zeigen wir überhaupt Frauensport. So ein Angebot gab es ja bisher nicht. Es gibt zwar Kneipen, in denen auch mal ein Frauenfußballspiel läuft, aber keinen Ort, an dem sich ausschließlich oder wenigstens regelmäßig Frauensport verfolgen lässt. Das ist übrigens im Ausland anders, da gibt es Bars, die ihren Fokus auf Frauensport legen.Auch wenn alle bei uns willkommen sind, wird das Angebot zu 90 Prozent von Frauen wahrgenommen. Frauen machen bei uns die Erfahrung, mal nicht in der Minderheit zu sein, wie in typischen Kneipen, die Männersport zeigen. So wird der Raum auch zu einem Safer Space, weil es bei uns nicht zu Situationen kommt, die Frauen in den üblichen Räumen als unangenehm empfinden. Dass sie sich bei uns besonders wohlfühlen, haben mir viele Frauen gesagt. Ich glaube, sie fühlen sich durch das Angebot zum ersten Mal gesehen.

Sie zeigen verschiedene Frauensportarten, nicht nur Fußball. Wie wählen Sie aus, was gezeigt wird – und wie läuft das mit den Lizenzen ab?

Ich schaue erst einmal, was so läuft, was angeboten wird. Bei den ersten drei Veranstaltungen haben wir viele Spiele der deutschen Frauenfußballnationalmannschaft gezeigt und vorher beim DFB angefragt, ob wir das in diesem Kontext überhaupt dürfen. Zur Zeit bin ich mit verschiedenen Streaminganbietern im Gespräch, um das Angebot des Honeyball Clubs breiter aufstellen zu können. Da geht es um die Frauenbundesliga, aber auch um Handball, um Basketball. Außerdem schaue ich, welche großen Sportereignisse in Deutschland anstehen. Im September findet beispielsweise die Basketballweltmeisterschaft der Frauen in Berlin statt – das ist natürlich ein superinteressantes Turnier, leider wissen nur wenige, dass es überhaupt stattfindet. Wir bekommen ganz viele Anfragen und Hinweise aus der Community zu den Sportarten und Sportereignissen, die wir zeigen könnten. Wir wurden bereits nach Radrennen wie der Tour de Femmes, Biathlon, Volleyball oder Tennis gefragt. Das Interesse an Frauensport ist riesig, und wir gehen gerne im Programm darauf ein, was sich unsere Gäste wünschen, wenn es denn möglich ist, die Lizenz dafür zu bekommen.

Der Name Honeyball Club hat mit einer britischen Frauenaktivistin zu tun …

Genau, Nettie Honeyball hat 1894 einen der ersten Frauenfußballklubs in England gegründet und kurz darauf das erste Frauenfußballspiel organisiert, zu dem 10.000 Zuschauer kamen. Dabei weiß man bis heute nicht, ob sie wirklich so hieß oder sich ein Pseudonym gegeben hat. Sie hat schon sehr früh verstanden, dass Frauensport kulturell wichtig ist und dass er ein Publikum hat. Ich fand die Geschichte so inspirierend, dass ich sie entsprechend würdigen wollte – daher der Name.

Bisher beschränkt sich der Honeyball Club auf Köln, die Stadt, in der Sie leben. Ist eine Ausweitung auf andere Städte geplant?

Ja. Wir haben zahlreiche Nachrichten von Frauen erhalten, die von dem Angebot erfahren haben, es großartig finden und in Bremen, Leipzig oder München leben. Viele von ihnen haben gefragt, ob das Format nicht auch in ihrer Stadt angeboten werden könnte.

Christina Eckstein hat Sportmanagement ­studiert. 2026 gründete sie den Honeyball Club. Sie lebt in Köln

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Erschienen in der Ausgabe vom 30.07.2026, Seite 16, Sport

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