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Gerechtigkeit für Abderrahim Fakir
Italien: Nach Tod durch Polizeimaßnahme in Bologna fordern Familie und Demonstranten sofortige Aufklärung
Die Angehörigen des im italienischen Bologna getöteten Abderrahim Fakir fordern Konsequenzen. Bei der Kundgebung an der Piazza Nettuno sprach die Nichte Yossra Fakir zu Tausenden Versammelten: »Für uns wird er nie bloß eine Schlagzeile sein. Er war ein Mensch, der es verdiente, gehört und mit Respekt und Würde behandelt zu werden.« Weiter macht sie deutlich: »Wir sind nicht hier, um Rache zu fordern. Wir sind hier, um Wahrheit und Gerechtigkeit zu fordern.« Bolognas Bürgermeister Matteo Lepore (PD) leistete den Angehörigen bei der Kundgebung Beistand. Zusammen mit einer ganzen Reihe von Organisationen hatte er zu der Demonstration am Montag abend aufgerufen.
Einen Tag zuvor war Abderrahim Fakir bei einem Polizeieinsatz getötet worden. Auf dem Video eines Anwohners ist zu sehen, wie der 42jährige Marokkaner von zwei Polizisten bäuchlings fixiert wird. Minutenlang drücken die Beamten Fakir zu Boden, während er nach Hilfe schreit. »Hilfe! Genug, genug!« ruft er vergeblich, während zwei Rettungssanitäter teilnahmslos am Rand der Szene stehen. Erst als er sich nicht mehr bewegt und keine Laute mehr von sich gibt, lassen die Polizisten von ihm ab. Da ist es bereits zu spät: Es kann nur noch der Tod Fakirs festgestellt werden.
Am Montag folgten in Bologna und anderen italienischen Städten Massenproteste von Tausenden Italienern. Auf Videomaterial, das von N-TV veröffentlicht wurde, ist zu sehen, wie Demonstranten E-Scooter, Absperrungen und andere Gegenstände auf Polizisten werfen, die wiederum mit Schlagstöcken und Reizgas gegen den Protest vorgehen. Die ultrarechte italienische Präsidentin Giorgia Meloni erklärte: »Nichts kann Gewalt gegen Ordnungskräfte rechtfertigen.« Zudem sagte sie, dass der Fall Fakir vollumfänglich aufgearbeitet werden müsse, ohne Rücksicht auf irgend jemanden zu nehmen.
Der Tod von Abderrahim Fakir hat in Italien eine landesweite politische Debatte ausgelöst. Nicht zuletzt, weil Meloni im Februar ein Sicherheitsdekret, den sogenannten Strafrechtlichen Schutzschild, erlassen hatte. Eine Maßnahme, die Polizisten und andere Beamte bei der Strafverfolgung juristisch schützt und ihnen finanzielle Prozesshilfen gewährt.
La Repubblica berichtet, dass die Polizisten, die den Marokkaner fixierten, mittlerweile vom Dienst freigestellt worden seien. Der Leichnam des 42jährigen soll nach Reuters-Angaben am Montag zur Obduktion freigegeben worden sein, um die genaue Todesursache festzustellen. Zuvor hatte Matteo Salvini, stellvertretender Ministerpräsident und Vorsitzender von Melonis Koalitionspartner Lega, die involvierten Polizisten in Schutz genommen.
Innenminister Matteo Piantedosi (parteilos) äußerte sich ebenfalls gegenüber Medienvertretern. Es dürfe »keinen weiteren Fall Cucchi geben«, wird er von La Repubblica zitiert. Die Skepsis der Bevölkerung gegenüber den Ermittlungsbehörden kommentierte der Minister ebenfalls: »Wer Vorurteile hat, vertraut der Staatsanwaltschaft nicht.«
Piantedosi bezieht sich damit auf die schwere Polizeigewalt gegenüber Stefano Cucchi, die am 22. Oktober 2009 zum Tod des 31jährigen führte. Er war eine Woche zuvor in Rom verhaftet und in der Arrestzelle einer Polizeistation untergebracht worden. Der Untersuchungsrichter stellte bei seiner Vernehmung Spuren von Misshandlungen fest: Cucchis Körper wies Schnitte, Traumata, Schürfwunden und den Bruch eines Steißbeinwirbels auf. Auf seinen Tod im Krankenhaus folgte ein langer Rechtsstreit gegen die involvierten Polizisten und das Klinikpersonal.
Die Familie Abderrahim hat den gleichen Anwalt engagiert, der auch schon die Angehörigen im Fall Cucchi vertreten hat. Der Jurist Fabio Anselmo verurteilt Nachrichten, die dem Opfer die Schuld an seinem Tod unterstellen, und richtet konkrete Forderungen an die Behörden. »Die Untersuchung der vorliegenden Angelegenheit sollte von einer unabhängigen Stelle vorgenommen werden und nicht von einer Behörde, der die involvierten Personen angehören.«
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