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Neues Terrain
Weltmarkt Fußball: Die meisten der bevölkerungsreichsten Länder nehmen noch nicht voll daran teil
Die ganze Welt dreht sich um den Fußball. Und nicht nur dieser Tage. Tatsächlich die ganze Welt? Nicht unbedingt. Bemerkenswerterweise sind ausgerechnet die bevölkerungsreichsten Länder der Welt alles andere als Fußballhochburgen. Die FIFA hat also noch ausreichend Raum für Expansion und Entwicklungshilfe, wenn man so will.
In Bangladesch (177 Millionen Einwohner) gingen die Jubelbilder von Tausenden Argentinien-Fans um die Welt, die im Lionel-Messi-Trikot das 3:1 nach Verlängerung im Viertelfinale gegen die Schweiz feierten. Ihr eigenes Team blieb in den Gruppenspielen der zweiten WM-Qualifikationsrunde sieglos. Sechs Spiele, 1:20 Tore. Trotz offenkundiger Fußballbegeisterung.
Dabei, so meinte FIFA-Präsident Gianni Infantino, müsse doch die ganze Welt von der WM träumen dürfen und »nicht nur Europa und Südamerika«. Deshalb kann sich Infantino, dessen dritte und nach FIFA-Statuten theoretisch letzte Amtszeit im nächsten Jahr endet (eine Wiederwahl ist dennoch geplant), durchaus vorstellen, dass das jetzige bereits sechs Wochen lange Turnier in vier Jahren auf 64 Teilnehmernationen aufgestockt wird. Riesige Märkte können noch erschlossen werden.
Denn Bangladesch ist kein Einzelfall: Auch Indien und China mit jeweils rund 1,4 Milliarden Einwohnern haben keine konkurrenzfähigen Mannschaften. Gastgeber USA und Brasilien (der einzige Verband, der an allen WM-Endrunden teilgenommen hat, mit fünf Titeln auch der erfolgreichste) sind bei der WM 2026 die einzigen beiden Vertreter der zehn bevölkerungsstärksten Länder der Welt. Einige von diesen haben sich noch nie für eine Endrunde qualifiziert. Das hat gute Gründe: historische, kulturelle, ökonomische.
Im bevölkerungsreichsten Land der Welt, Indien, ist nicht Fußball, sondern Cricket der wichtigste Volks- und Profisport. Die Erfolge der Nationalmannschaft und die milliardenschwere Indian Premier League binden Talente, Geld und Aufmerksamkeit – zum Nachteil des Fußballs. Als zentrale Gründe für den Rückstand im trotzdem halbwegs beliebten Fußball gelten außerdem eine fehlende Infrastruktur und mangelhaft organisierte Talentförderung.
Doch Abhilfe soll geschaffen werden. Die seit 2014 existierende Indian Super League soll mit Investitionen aus Wirtschaft und der Showbranche den Profifußball konkurrenzfähig machen und indirekt Indiens erste Teilnahme an einer WM-Endrunde ermöglichen. Der Weg bleibt aber weit. Vor der Endrunde 2026 schied Indien bereits in der zweiten Qualifikationsrunde in der Gruppenphase hinter Katar und Kuwait aus.
Auch die VR China verpasste zum wiederholten Mal die Qualifikation. In der FIFA-Weltrangliste liegt das Land auf Platz 91. Bei der letzten WM-Teilnahme 2002 in Südkorea und Japan gab es ein Gruppenphasenausscheiden mit null Punkten und 0:9 Toren. Staatschef Xi Jinping gilt zwar wie viele Chinesen als fußballbegeistert und gab das Ziel aus, aus seinem Land auch bei den Männern eine große Fußballnation zu machen. Doch bislang sorgte der chinesische Fußball eher durch Wettbetrügereien und Korruptionsfälle für Schlagzeilen. Seit einigen Jahren gibt es erste Amateurligen wie in der ostchinesischen Jiangsu-Provinz oder der Provinz Guizhou im Südwesten. Kritiker sehen darin jedoch eher Tourismusförderung als einen Weg in den Profifußball. Immerhin läuft es bei den Frauen besser, sie liegen im FIFA-Ranking derzeit auf Platz 16.
In Indonesien (280 Millionen Einwohner) ist Fußball zwar die mit Abstand beliebteste Sportart, die einzige WM-Endrundenteilnahme datiert jedoch aus dem Jahr 1938 – damals noch als Niederländisch-Indien. Noch in den 1950er Jahren zählte Indonesien zu den führenden Fußballnationen Asiens. Im Verband folgten Jahrzehnte mit Misswirtschaft, Korruptionsvorwürfen und fehlender Nachwuchsförderung. Erschwert wurde die Talententwicklung zudem durch die Geographie des Landes mit seinen mehr als 17.000 Inseln. 2015 suspendierte die FIFA den Verband vorübergehend, nachdem die Regierung in den Ligabetrieb eingegriffen hatte. Inzwischen geht es wieder aufwärts. Der Verband investiert stärker in die Jugendarbeit und kann mittlerweile auch auf in Europa ausgebildete Profis mit indonesischen Wurzeln bauen – darunter Kevin Diks von Borussia Mönchengladbach und Maarten Paes von Ajax Amsterdam.
In Pakistan (rund 255 Millionen Einwohner) ist die Sportinfrastruktur ähnlich wie im Nachbarland Indien primär auf Cricket ausgerichtet. Dennoch wird schon seit langem versucht, eine Fußballprofiliga zu etablieren. Streitereien im Verband und wenig Geld für Nachwuchsprogramme lähmen aber die Entwicklung.
Zwar war Pakistan noch nie bei einer WM vertreten, aber ein Teil des südasiatischen Landes ist indirekt bei jedem Spiel dabei: Der Spielball »Trionda« wird für seinen Hersteller, die Firma Adidas, in der pakistanischen Industriestadt Sialkot gefertigt.
Auch in Bangladesch ist Fußball nach Cricket immerhin die zweitbeliebteste Sportart. Einst sei Fußball sogar die populärste Sportart gewesen, behauptet die Zeitung The Asian Age. Trotzdem hat sich Bangladesch noch nie für eine WM-Endrunde qualifizieren können. Schwaches Management, zu geringe Investitionen und eine schlechte Infrastruktur für Talente seien die Gründe. Im März spielte immerhin zum ersten Mal eine bangladeschische Mannschaft beim Asian Cup der Frauen. Der nationale Verband jubelte über die Qualifikation: »Macht euch bereit, Asien, Bangladesch ist auf der Fußball-Landkarte.«
Nigeria (242 Millionen Einwohner) gehört trotz der verpassten WM-Qualifikation 2026 zu den erfolgreichsten Fußballnationen in Afrika. Es gibt wie in anderen westafrikanischen Staaten Fußballakademien, die die Hoffnung vieler Jugendlicher auf eine Zukunft als Profi schüren. Nach dem erneuten Scheitern der »Super Eagles« in der Qualifikation wurde allerdings kritisiert, die Talentförderung vernachlässigt zu haben.
Äthiopien (etwa 139 Millionen Einwohner) ist bekannt für seine starken Langstreckenläufer, im Fußball zählt es zu den Schlusslichtern Afrikas (FIFA-Weltranglistenplatz 143). Die politische Instabilität und das Vorhandensein nur weniger Stadien erschweren die Nachwuchsförderung. Das Nationalteam musste in den vergangenen Jahren seine Heimspiele im Ausland austragen, weil keines der Stadien des Landes den internationalen Standards genügte.
Russland (143 Millionen Einwohner) wiederum hat sich regelmäßig für die Endrunde qualifiziert und war 2018 Ausrichter des Turniers, konnte aber nicht an der WM 2026 teilnehmen, weil FIFA und UEFA alle russischen National- und Vereinsmannschaften nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 bis auf weiteres von allen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen haben.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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