Verlierer liebhaben
Am Sonntag endete das am 26. Juni eröffnete Filmfest München. Das diesjährige Programm mit 130 Filmen aus 56 Ländern fand offenbar guten Zuspruch. Rund 95.000 Besucherinnen und Besucher seien gekommen, 4.000 mehr als im Jahr zuvor, hieß es in einer vorläufigen Bilanz.
Am Abschlusswochenende wurde es festlich – mit einer Reihe an Preisverleihungen, einer Abschlussparty und einem Auftritt von David Duchovny, berühmt aus Serien wie »Akte X« oder »Californication«. Der 65jährige erhielt den undotierten Ehrenpreis des Filmfestes, den »CineMerit Award«.
Seine Dankesrede nutzte der Schauspieler, Autor und Musiker für einen Seitenhieb auf US-Präsident Donald Trump und dessen Motto »Win, win, win.« Es seien der Schmerz und der Verlust, die uns vereinen – nicht Erfolg oder große Höhenflüge, sagte er. »Solche Momente erlebt man vielleicht ein- oder zweimal im Leben, wenn man Glück hat.« Amerika gelte als Gewinnernation. »Aber was soll das eigentlich mit diesem ganzen Gewinnen? Lasst uns doch mal verlieren. Lasst uns verlieren, uns gegenseitig umarmen und sagen: Wir sind alle Verlierer. Können wir uns jetzt liebhaben?«
Den am höchsten dotierten Preis und damit 100.000 Euro erhält das deutsche Koproduktionsteam der Coming-of-Age-Geschichte »Strange River« des katalanischen Regisseurs Jaume Claret Muxart (Kinostart 27. August). Dídac radelt darin mit seiner Familie an der Donau entlang und trifft einen Jungen, der ihn fasziniert. Gedreht wurde auch in Lauingen. Der »CineCoPro Award« wird vom Film-Fernseh-Fonds Bayern (FFF) mit Hilfe der Bayerischen Staatskanzlei gestiftet und würdigt internationale Filme, die mit deutscher Beteiligung entstanden sind.
Bester internationaler Debütfilm wurde das Familiendrama »A Girl Unknown« der chinesischen Filmemacherin Jing Zou. Bei den Kinderfilmen gewann »Mein Sommer bei Nonna« von Margherita Spampinato über Nico, der den Sommer bei seiner Großtante auf Sizilien ohne Internet und Freunde verbringen muss.
Auch das Publikum konnte abstimmen. Beliebtester deutscher Film wurde Helena Hufnagels Film »Lieblingsmenschen – Die außergewöhnliche Freundschaft von Agnes und Amir«. Eine 101jährige lässt darin einen jungen Geflüchteten bei sich wohnen. Aus der Zweckgemeinschaft entsteht eine besondere Beziehung, zu sehen ist der Film ab 26. November im Kino.
Von der Rückkehr eines geflüchteten Syrers in seine Heimat erzählt der Siegerfilm der Audience Awards in der Kategorie international: »If Only the Year Had 364 Days« von Almourad Aldeeb. Beliebtester Kinderfilm wurde »Plitsch Platsch Forever« über Kinder, die das Freibad in ihrem Ort retten wollen. Ein Sommervergnügen, das bereits am kommenden Donnerstag in den Kinos anläuft. (dpa/jW)
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