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Sportpolitik

Bosse zünden Bombe

Tarifverhandlungen in der MLB: Im nordamerikanischen Profibaseball zeichnet sich ein harter Arbeitskampf ab

Foto: ZUMA Press/IMAGO
(K)ein Job wie jeder andere: Pitcher Alex Vesia von den Los Angeles Dodgers in Aktion

Mit dem Austausch von ersten Forderungen haben Ende Mai die Verhandlungen zwischen den Klubbossen der Major League Baseball (MLB) und der Spielergewerkschaft MLB Player Association (MLBPA) für den neuen Tarifvertrag (Collective Bargaining Agreement, CBA) ab 2027 begonnen. Die Vorstellungen beider Seiten, wie das neue CBA aussehen soll, liegen nicht weit auseinander – sie sind fundamental verschieden.

So forderte die MLBPA am 27. Mai unter anderem eine Erhöhung des Mindestlohns von 780.000 US-Dollar auf 1,5 Millionen. Zudem will die Spielervereinigung (Players Association) eine neue »Competitive Integrity Tax« – die Teams bestrafen soll, die ein bestimmtes Mindestgehaltsniveau nicht erreichen – ebenso einführen wie eine Anhebung der »Luxury Tax«-Schwelle von 244 auf 300 Millionen Dollar. Derzeit muss ein Franchise, dessen Ausgaben für den 40-Mann-Kader über 244 Millionen US-Dollar liegen, eine sogenannte Luxussteuer zahlen. Zudem verlangt die Gewerkschaft eine erweiterte Verteilung lokaler Fernseherlöse sowie zusätzliche Zahlungen an ertragsschwächere Teams, die die Playoffs erreichen oder eine positive Saisonbilanz aufweisen. So würden dann die San Diego Padres, die trotz eines kleinen Marktes für TV-Rechte mit einer Payroll von 259 Millionen US-Dollar immerhin Platz sieben von 30 in der MLB einnehmen, zusätzliches Geld von der Liga für Investitionen in Spieler und deren Gehälter erhalten. Hingegen will die MLBPA Teams bestraft sehen, die zwar genug Geld verdienen, es aber nicht in die Wettbewerbsfähigkeit investieren, sondern in die Tasche der Eigentümer fließen lassen. Wie beispielsweise die Miami Marlins, die im achtgrößten Ballungsraum spielen, aber mit 82 Millionen US-Dollar die niedrigste Payroll von allen 30 Klubs aufweisen. Im Rahmen des »Revenue sharing« — einer Art Finanzausgleich zwischen Teams mit einem starken Markt und solchen mit einem schwächeren — erhalten die Marlins zur Zeit dennoch Ausgleichszahlungen.

Einen Tag nach der Players Association reagierten die Bosse. Neben einer 50/50-Aufteilung der ­Baseballeinahmen sowie eine Zusammenlegung und Aufteilung aller TV-Einnahmen zündeten die Eigner mit ihrer zentralen Forderung nach einem »Salary Cap«-System – mit einer Gehaltsobergrenze von rund 245 Millionen US-Dollar und einer Untergrenze (»Floor«) von rund 171 Millionen US-Dollar – eine regelrechte Bombe. Bombe deshalb, weil als 1994 letztmalig ein »Salary Cap« gefordert wurde, die Spieler in einen 232 Tage langen Streik traten. Sowohl der Rest der 94er Saison – erstmals seit 1904 gab es keinen World Series-Champion – sowie Teile der Saison 1995 fanden nicht statt. Das Argument der Klubbosse damals wie heute: Explodierende Spielergehälter würden die finanzielle Stabilität und die Wettbewerbsfähigkeit der Liga gefährden. Kleinere Teams könnten mit Schwergewichten wie New York Yankees und Los Angeles Dodgers nicht mehr mithalten, der Wettbewerb in der Liga sei kaputt.

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Vergleicht man nun beide Verhandlungspositionen, dann wollen die Spieler den bestehenden System­rahmen optimieren, während die Bosse einen Systemwechsel anstreben. Doch würde dieser die Wettbewerbsfähigkeit wirklich stärken? Zumindest verfängt die Propaganda der Bosse bei den Fans, die einen »Cap« wollen, wie Umfragen belegen. Dennoch, Zweifel sind angebracht: So gab es in den zurückliegenden 25 MLB-Saisons mit den Los Angeles Dodgers nur einen »Back to back«-Champion in den Jahren 2024 und 2025. Zudem gibt es Klubs, wie die Milwaukee Brewers, die ihre Division seit Jahren mit kleinem Budget und guter Ausbildung ihres Nachwuchses dominieren.

Dass es den Bossen in Wirklichkeit weniger um Wettbewerbsfähigkeit und mehr um ein Einfrieren der Gesamtgehaltssumme – und damit um eine Wertsteigerung ihrer Klubs – zu gehen scheint, darauf wies Ben Clemens auf fangraphs.com hin. Demnach würde die derzeitige Gesamtgehaltssumme konstant bei rund 6,1 Milliarden US-Dollar verharren, würden die zwölf derzeit unter dem »Floor« liegenden Teams über die Grenze von 171 Millionen US-Dollar geschoben und die acht über dem »Cap« liegenden Teams auf 244 Millionen US-Dollar gedrückt. Craig Goldstein, Chefredakteur von baseballprospectus.com, kommt unter Verwendung etwas anderer Zahlen gar auf eine Kürzung der Gesamtgehaltssumme um 18,7 Millionen US-Dollar. Man muss kein Hellseher sein, um zu wissen, dass die MLBPA – die als kampferprobteste und -stärkste Spielergewerkschaft im nordamerikanischen Profisport gilt – dieses Spiel nicht mitmachen wird. Im Profibaseball steht ein beinharter Arbeitskampf ins Haus.

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Erschienen in der Ausgabe vom 10.06.2026, Seite 16, Sport

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