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Nachschlag: Tränen des Vaterlands (1954)

Das Wunder von Bern | Di., 20.15 Uhr, Kabel eins

Foto: IMAGO/United Archives
Wir fahren nach Bern und brauchen Wegzehrung

Fußball ist mehr als Fußball. Nation building, Katharsis, Tränen. Fußball ist, wenn gestandene Männer weinen dürfen wie an Schneewittchens Glassarg. Tatsächlich sagte Regisseur Sönke Wortmann seinerzeit, »Das Wunder von Bern« sei gar kein Fußballfilm, sondern ein »weepie«. Ein Film, in dem es wirklich ums Weinen geht, der eine Entwicklungslinie zieht von einer Situation, in der ein Junge mit einer Ohrfeige gesagt bekommt: »Ein deutscher Junge weint nicht«, zu einer Situation, in der er seinem weinenden Vater altklug sagen kann: »Auch ein deutscher Junge darf manchmal weinen.« Die (väterliche) Autorität erträglich machen, die Illusion vermitteln, dass diese Operation – über den Umweg des Fußballwunders – glücken kann, ist das Ziel von Ideologie. Versöhnung mit der Autorität, die ein wenig toleranter (und sentimentaler) geworden ist. Tolerante Autorität, das psychologische Korrelat zur ebenfalls in den 50ern erfundenen »sozialen Marktwirtschaft«. Wir alle sind glückliche Kinder des Wunders von Bern. Wir dürfen weinen. (aha)

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Erschienen in der Ausgabe vom 11.06.2026, Seite 14, Feuilleton

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