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28.05.2026
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Der Sound der Kneipe
Erweiterte Neuauflage von Andreas Gläsers »Der BFC war schuld am Mauerbau«
Mit seinem Debüt »Der BFC war schuld am Mauerbau. Ein stolzer Sohn des Proletariats erzählt« sorgte Andreas Gläser 2002 im Berliner Underground für Aufsehen – nicht nur bei den Fans von Dynamo Berlin. Das Buch ist längst vergriffen, doch die Nachfrage ebbte nicht ab. So ließ sich der Autor dazu hinreißen, wie bei einem Rerelease in der Rockmusik, seinen Roman in remasterter Form noch einmal herauszubringen.
Für die Neuausgabe hat Gläser einige alte Stories rausgeworfen, andere überarbeitet, sie haben nun mehr Schliff. Der ehemalige Fanzineschreiber und zeitweilige jW-Kolumnist hat neuere Beiträge aus diversen Publikationen und auch bislang unveröffentlichtes Material zugefügt. Das kommt dem »Mauerbau 2.0«, wie Gläser die Neufassung nennt, zugute. Der Fußballanteil ist stark gestiegen. Sicherlich sehr zur Freude aller, die das Dynamo-Weinrot des BFC als Primärfarbe ansehen. Der Autor rollt die jüngere Geschichte des früheren DDR-Serienmeisters, der freilich schon seit vielen Jahren vornehmlich in den unteren Spielklassen kickt, gewohnt humorvoll-sarkastisch auf.
Das Schmuddelkind des Berliner Fußballs bietet bekanntlich einiges an Krawallpotential. Ein ganzes Kapitel widmet Gläser etwa dem BFC-Auswärtsspiel beim verhassten Stadtrivalen aus Köpenick. Beim Verbandsligakick (5. Liga) gegen Union II im Jahre 2002 machte der Protagonist die unschöne Bekanntschaft mit Pfefferspray, das ein übereifriger Polizist in die Menge sprühte. Ein anderes Mal schildert er die chaotischen Erlebnisse rund um das Theaterprojekt »Dynamoland«, bei dem er selbst mitspielte. Gläser beschreibt süffisant das ambivalente Verhältnis der Theatermacher zu dem als Hooligan- und Stasi-Klub stigmatisierten Verein. Bei Milieustudien im Stadion muss eine Theaterfrau die Erfahrung machen, mit »Na, wie geht’s, Nazimuschi?« begrüßt zu werden.
Die Sprache ist direkt, Berliner Schnauze eben, und daher gerade in späteren Kapiteln urkomisch. Wenn Gläser seine DDR-Kindheit schildert oder Anekdoten über Ostberliner Bauarbeiter zum Besten gibt, hat der Leser das Gefühl, als Zuhörer direkt am Tresen zu stehen. Es ist dieser Sound der Kneipe, der Gläser von anderen Großstadtliteraten abhebt. Er gibt dem klassischen Proletarier eine Stimme, ohne ihn – trotz manch geschilderter Absurditäten – bloßzustellen. Bei ihm geraten Banalitäten des Alltags wie der Gang zum Augenarzt zur unterhaltsamen Lektüre. Die Geschichten aus dem Arbeiter-und-Bauern-Staat, der unmittelbaren Zeit nach der »Wende« und dem Berlin von heute sind nur scheinbar zusammengewürfelt. Gläser hat einen genauen Blick auf prekäre Arbeitsverhältnisse. Und natürlich ist da der (wein)rote Faden des BFC Dynamo. Der überarbeitete Band ist gewissermaßen ein erweitertes Best-of. Und damit auch für Leser, die mit Gläsers früheren Werken vertraut sind, hervorragend geeignet.
→ Andreas Gläser: Der BFC war schuld am Mauerbau. Arete-Verlag, Hildesheim 2026, 220 Seiten, 18 Euro
→ Buchvorstellung mit Andreas Gläser, Moderation Frank Willmann, 3. Juni, 19 Uhr, Haus der Fankulturen, Cantianstraße 25, 10437 Berlin
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
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