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Absage von Industriall

Arbeiterfeind Mercedes

Industriall kündigt Zusammenarbeit mit Autobauer

Foto: Elijah Nouvelage/Reuters
Mercedes in Woodstock, Alabama.

Der internationale Gewerkschaftsverband Industriall hat seine Zusammenarbeit mit dem Autohersteller Mercedes-Benz aufgekündigt. Die Entscheidung folge auf jahrelanges, dokumentiertes gewerkschaftsfeindliches Verhalten von Mercedes-Benz in seinem Werk in Tuscaloosa, Alabama, hieß es von Industriall-Generalsekretär Atle Høie in einer Mitteilung am Dienstag.

Hintergrund ist eine Abstimmung über die gewerkschaftliche Interessenvertretung im Werk Tuscaloosa im Jahr 2024. Die Beschäftigten starteten damals eine Kampagne, um der ­United Auto Workers (UAW) beizutreten. »Was folgte, war eine der aggressivsten gewerkschaftsfeindlichen Kampagnen in der jüngeren Geschichte der USA«, so Industriall. Mercedes-Benz habe mindestens fünf gewerkschaftsfeindliche Beratungsfirmen beauftragt und nachweislich 659.116 US-Dollar ausgegeben, um die Organisierungsbemühungen der Beschäftigten zu bekämpfen. Die berüchtigtste davon sei Road Warrior Productions gewesen, die nach eigenen Angaben darauf spezialisiert ist, Beschäftigte dazu zu bringen, »gegen die Gewerkschaft zu stimmen«. Das Unternehmen hielt obligatorische Versammlungen mit Anwesenheitszwang ab, drohte den Beschäftigten mit Werksschließung und dem Verlust von Sozialleistungen, sollten sie für die Gewerkschaft stimmen. Drei Tage vor der Wahl holte sie einen Geistlichen in die Werkhalle, um schwarze Beschäftigte, die etwa 60 Prozent der Belegschaft ausmachen, dazu zu drängen, mit Nein zu stimmen. Ein Kollege mit 25jähriger Betriebszugehörigkeit und makelloser Akte sei disziplinarisch belangt worden, weil er gesagt hatte, er habe einen Gewerkschaftsausweis. Der führende Organisator Jeremy Kimbrell hatte 26 Jahre lang in dem Werk gearbeitet. Er wurde im Februar 2025 entlassen.

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Die US-Behörde National Labor Relations Board (NLRB) befand mehrere Vorwürfe, Mercedes habe gegen US-Arbeitsrecht verstoßen, für begründet. Trotzdem habe sich Mercedes geweigert, mit Industriall über das weitere Vorgehen zu sprechen. Am 26. Mai soll die US-Arbeitsbehörde darüber entscheiden, ob die Wahl im Werk in Tuscaloosa 2024 gültig war oder wiederholt werden muss. (jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.05.2026, Seite 15, Betrieb & Gewerkschaft

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