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05.05.2026
- → Sport
»Teil der Lösung«
Das Gesundheitssystem soll zu teuer sein. Breitenport könnte Abhilfe schaffen
Die Kassenlage der gesetzlichen Krankenversicherungen scheint dramatisch. Deshalb wird bei den Leistungen der Rotstift angesetzt. Allein für 2027 erwartet das Bundesministerium für Gesundheit eine »Finanzierungslücke« von 15 Milliarden Euro, bis 2030 soll das Minus gar 40 Milliarden Euro betragen. Dass der Breitensport helfen kann, die Kosten zu senken, fällt dabei oft unter den Tisch.
»Statt eine Milliarde in das Gesundheitssystem zu pumpen, könnte man mit 500 Millionen Investitionen im Sport den gleichen Effekt erzielen«, befand kürzlich Otto Fricke, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Im Coronajahr 2022 betrugen die Gesundheitskosten in der BRD fast 500 Milliarden Euro. Pro Kopf sind es mit knapp 6.000 Euro die höchsten in Europa– trotzdem liegt die durchschnittliche Lebenserwartung nur sechs Monate über dem EU-Durchschnitt.
Für den DOSB-Vizepräsidenten Martin Engelhardt, ärztlicher Direktor am Klinikum Osnabrück, ein »unhaltbarer Zustand«. Allein mit 60 Milliarden Euro pro Jahr schlage das Massenphänomen von »Fettleibigkeit und Übergewicht« aufgrund von medizinischen Behandlungen, Arbeitsausfall und Frühverrentung zu Buche, schätzte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung 2023. Der DOSB hat Anfang April einen gesundheitspolitischen Appell formulierte: »Sport und Bewegung fördern – Gesundheitskosten senken«. Die Botschaft: Bewegung senkt Kosten und stärkt die Gesundheit. Der Dachverband fordert vehement, Sport und Bewegung als zentrale gesundheitspolitische Bausteine zu stärken. »Sport und Bewegung sind eines der wirksamsten und zugleich kosteneffizientesten Präventionsprogramme, die wir haben«, so DOSB-Präsident Thomas Weikert. »Wenn wir die Gesundheitsausgaben langfristig stabilisieren wollen, müssen wir jetzt systematisch in Bewegung investieren – nicht irgendwann, sondern jetzt.«
Im »Sportentwicklungsbericht 2023–2025« des Bundesinstituts für Sportwissenschaft wird die zentrale Rolle der insgesamt rund 86.000 deutschen Sportvereine hervorgehoben: Sie schaffen niedrigschwellige, wohnortnahe Bewegungsangebote für alle Zielgruppen, von Kindern über Berufstätige bis hin zu älteren Menschen. Sie leisten damit einen unverzichtbaren Beitrag zu Gesundheit, Integration, Teilhabe und sozialem Zusammenhalt. Das gilt besonders für die etwa 4.000 Vereine, die von DOSB und Bundesärztekammer das Qualitätssiegel »Sport pro Gesundheit« erhalten haben. Das wird für spezielle Kursangebote vergeben, deren Durchführung die Krankenkassen nicht direkt vergüten. Statt dessen erstatten sie ihren Versicherten weitgehend die Gebühren für die Kursteilnahme. Für Patienten, Vereine und Kassen sozusagen eine Win-win-win-Situation. »Für uns ist es ein wichtiges Instrument, um Vertrauen bei Teilnehmern aufzubauen und unsere Angebote klar zu positionieren. Gleichzeitig bietet die Plattform eine starke Möglichkeit zur Sichtbarkeit«, berichtet Ralf Gottfried, der Vorsitzende des Vereins »Move pro Sport« in Halle (Saale).
Deshalb versteht sich der DOSB mit Blick auf die Gesundheitskosten als »Teil der Lösung«. Das Siegel »Sport pro Gesundheit« garantiere qualitätsgesicherte Präventionskurse. Mit einem ärztlichen »Rezept für Bewegung« würde Patienten zudem ein passgenaues Angebote in Sportvereinen vermittelt. Strukturen, die zeigen: »Der organisierte Sport ist bereits heute ein leistungsfähiger und flächendeckend wirksamer Partner für Prävention und Gesundheitsförderung«, so der DOSB.
Die Gesundheitspolitik setzte bislang andere Schwerpunkte. Beispiel: das »Gesundes-Herz-Gesetz«. Das winkte im Sommer 2024 die damalige Bundesregierung durch, setzte lieber verstärkt auf medikamentöse Behandlung und torpedierte mutwillig den präventiven Gesundheitssport. Was beispielsweise den »Freiburger Kreis« schwer auf die Palme brachte. Der Zusammenschluss der Großvereine verlangte damals vom DOSB, die Interessen seiner Basis im Gesundheitssport und darüber hinaus hörbarer und sichtbarer zu vertreten. Auch darauf reagiert der Dachverband nun mit seinem gesundheitspolitischen Appell. »Wenn wir Sport und Bewegung als festen Bestandteil einer ganzheitlichen Gesundheitsstrategie begreifen, gewinnen alle«, so DOSB-Präsident Weikert, »die Menschen durch mehr Lebensqualität und Gesundheit, die Gesellschaft durch mehr Zusammenhalt und das Gesundheitssystem durch langfristige Entlastung.«
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