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25.04.2026
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Verdi: Spaltung der Belegschaft bei Vivantes in zwei Klassen abschaffen
Zur Situation einer Zwei-Klassen-Belegschaft bei Vivantes teilte die Gewerkschaft Verdi am Donnerstag mit:
Die Fraktionsspitzen der aktuellen Berliner Senatskoalition (CDU und SPD) haben Anfang der Woche den Senat aufgefordert, ohne weitere Verzögerung ein Konzept für die Rückführung der Vivantes-Töchter in den Mutterkonzern zu erarbeiten und umzusetzen.
Verdi sieht nun den Berliner Senat in der Pflicht, ein solches Konzept zeitnah vorzulegen. Daran müssen die Senatsverwaltungen für Gesundheit und für Finanzen beteiligt sein. (…) Der Regierende Bürgermeister muss dafür die Gesamtverantwortung übernehmen, damit die politischen Beschlüsse nicht im Behörden-Ping-Pong versanden. Verdi steht bereit, die Umsetzung der Rückführung tariflich zu begleiten. Eine Rückführung hätte die volle Anwendung des Tarifvertrags des öffentlichen Dienstes (TVöD), inklusive der tariflichen Altersvorsorge, zur Folge. Aktuell weigert sich Vivantes, in den laufenden Tarifverhandlungen ein Angebot zur tariflichen Altersvorsorge vorzulegen.
»Die Fraktionsklausur von CDU und SPD hat jetzt noch einmal ausdrücklich bekräftigt, dass die Zwei-Klassen-Belegschaft beendet werden soll – und zwar vollständig. Keine Rosinenpickerei, sondern TVöD mit allen seinen Bestandteilen. Wir erwarten, dass den Worten nun Taten folgen«, erklärt der Verdi-Verhandlungsführer Ben Brusniak.
Die Tarifparteien haben am heutigen Donnerstag, dem 23. April 2026, ihre Verhandlungen fortgesetzt. Die Verhandlungen wurden jedoch ergebnislos beendet. Die Streikenden waren zu Beginn der Verhandlungen vor Ort. (…) Gemeinsam haben die Beschäftigten zum Ausdruck gebracht, dass sie eine klare Perspektive für die vollständige Beendigung der Zwei-Klassen-Belegschaft erwarten. (…)
Susanne Schaper, Vorsitzende der Linksfraktion im Sächsischen Landtag, kommentierte am Freitag den Umstand, dass in Ostdeutschland noch immer signifikant niedrigere Löhne gezahlt werden als in Westdeutschland:
»Seit 35 Jahren ist Deutschland wiedervereinigt – auf staatlicher Ebene. In vielen Bereichen gibt es aber noch keine Einheit, sondern Ungerechtigkeit. So erhalten die ostdeutschen Vollzeitbeschäftigten brutto immer noch 17 Prozent weniger Geld als ihre Kolleginnen und Kollegen in den alten Bundesländern. Das mittlere Einkommen in Sachsen liegt monatlich 683 Euro brutto unter dem Bundesniveau und sogar 797 Euro unter dem Westniveau. Das ist ungerecht! Es ist höchste Zeit für den Ausgleich, zumal viele Preise immer weiter erhöht werden. Hunderttausende Menschen gehen fleißig arbeiten und schaffen es trotzdem kaum, die alltäglichen Ausgaben zu bezahlen. Von der Regierung in Bund und Land kommen anstelle der nötigen Wertschätzung eher Vorwürfe, die Leute würden zuwenig arbeiten.
Ein wichtiger Einflussfaktor ist die Tarifbindung. Das mittlere Einkommen der tarifgebundenen Vollzeitbeschäftigten erreicht in Sachsen immerhin das Bundesniveau. Das Westniveau ist freilich noch etwas höher. Wer aber nicht durch einen Tarifvertrag geschützt ist, geht mit einem viel geringeren Einkommen nach Hause. (…)«
Das Medianeinkommen teilt die Beschäftigten in zwei gleich große Gruppen: Die eine Hälfte wird schlechter, die andere Hälfte besser bezahlt. Dieses mittlere Einkommen (mit Sonderzahlungen) liegt bundesweit bei 4.505 Euro brutto im Monat. In Westdeutschland beträgt es 4.619 Euro, in Ostdeutschland nur 3.834 Euro. Beschäftigte mit Tarifvertrag erhalten im bundesweiten Vergleich ein Medianeinkommen von 4.984 Euro, ohne Tarifbindung sind es nur 3.931 Euro.
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