Nachschlag: 1984
Dieses 1984 ist nicht die Orwellsche Welt, sondern das Weltende der Reagan-Ära, in der die Götter mit vollen Händen ihre Gaben ausstreuen. Was bekanntlich in Wahrheit ein Fluch ist: »Die Götter wollen dein Verderben!« Kein Wahrheitsministerium muss mehr die Geschichte manipulieren, wenn die Geschichte bald zu Ende gegangen sein wird. »Willkommen in der Zukunft«, heißt es im Werbe-TV, um Anteile an einem Unternehmen anzupreisen, das alle Wünsche zu erfüllen verspricht: »Welcome to Black Gold Cooperative, the first Oil Company run for the people by the people.« Die Unternehmerfigur, die der genossenschaftlichen Ölfirma allgemeiner Wunscherfüllung vorsteht, wirkt nicht zufällig wie eine Verkörperung des jungen Donald Trump – die 80er-Jahre-Figur schlechthin. Sie findet ein historisches Artefakt, das Wünsche tatsächlich prompt erfüllt: Die Regierung will noch mehr Atomraketen, das Ölunternehmen fällt in Ägypten ein. Es rächt sich die Freudsche Reflexivität: »Die Nichterfüllung des einen Wunsches bedeutet die Erfüllung eines anderen.« Konkurrenz bis aufs Messer. (aha)
Probeabo
Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Mehr aus: Feuilleton
-
»Die Schlange verschluckt den Igel«
vom 20.04.2026 -
Logisch
vom 20.04.2026 -
Das verdrängte Verbrechen
vom 20.04.2026 -
Zweite Ordnung
vom 20.04.2026 -
Vorschlag
vom 20.04.2026 -
Veranstaltungen
vom 20.04.2026
