Zwischen Halbdunkel und Hoffnung
Von Fotos und Text: Roberto Chile, KubaDas Leben in Centro Habana und Umgebung spielt sich in einem Halbdunkel ab, das alles durchdringt: die Straßen, die Gesichter, die Tage. Für die einfachen Leute ist die Blockade eine physische Realität, die sich in täglicher Angst und Beklemmung misst. Wenn man in Havanna schon ihre verheerenden Auswirkungen spürt, ist es in den anderen Provinzen noch schlimmer. Ohne öffentliche Verkehrsmittel, abgesehen von dem einen oder anderen gespenstischen Bus, bestehen die Tage aus Fußmärschen, die beginnen, wenn die Sonne noch nicht aufgegangen ist, und enden, wenn sie bereits untergegangen ist. Zur Arbeit oder Schule zu gehen, eine Besorgung zu erledigen – alles kostet doppelt soviel Zeit, Energie, Resignation.
Auch das Straßenbild hat sich verändert. Wo früher reges Treiben war, herrscht nun Stille; wo einst die »Almendrones« (alte US-Pkws, jW) zwischen modernen Autos, Bussen und »Gacelas« (Kleinbussen, jW) dröhnten, fahren nun wegen des fast vollständigen Fehlens von Treibstoff leise Ströme von Fahrrädern und Elektrodreirädern. Und die Stromausfälle? Wenn die Nacht hereinbricht und nicht nur das Licht, sondern auch die Zuversicht erlischt, macht sich eine beunruhigende Einsamkeit breit, als ob der Stromausfall auch die Seele erfasst.
Die Krise trifft die älteren Menschen am härtesten – jene, die bereits alles gegeben haben und nun noch mehr geben müssen. Ohne Mittel zum Essen angesichts einer Inflation, die Renten und Löhne verschlingt, jonglieren viele mit dem, was sie nicht haben. Das Mittagessen ist eine unsichere Angelegenheit, das Abendessen ein kleines Wunder.
Jenseits der Entbehrungen und Ungewissheit besteht ein Volk, das entgegen aller Logik die Tür offen hält, freundliche Worte findet und ein müdes, aber entschlossenes Gesicht zeigt. Als wäre die Krise nur eine weitere Kulisse, in der die Kubanerinnen und Kubaner aus Stolz und Notwendigkeit gelernt haben zu leben, ohne aufzugeben, sie selbst zu sein; ohne aufzuhören zu kämpfen, zu lieben und zu träumen; ohne die Lebenslust und den Faden der Hoffnung zu verlieren, der ihnen bleibt.
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