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LGBTQ

Der Traum, der mir gehört

In Selbstporträts inszeniert sich Maria Bolz als trans und nichtbinäre Person in unterschiedlichen Rollen, Landschaften und gesellschaftlichen Kontexten

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Wie ist es, sich in einem Körper, in den wir hineingeboren wurden, nicht zu Hause zu fühlen? In Maria Bolz’ Fotoserien »theydream« und »My nipples get harder than your dick« wird der Körper spielerisch in unterschiedlichen Kontexten inszeniert. In seiner Sichtbarkeit und Verletzlichkeit befragt er im Spannungsfeld aggressiver, gesellschaftlich konstruierter Erwartungen, was ein Körper ist und sein soll.

Auf einem Foto steht Maria in einem beigen Anzug in einer nebligen Landschaft und richtet eine Taschenlampe auf their Gesicht. Auf einem anderen nimmt they¹ ein Selbstporträt vor weißem Hintergrund auf, in einem gelben, geblümten Kleid, die kurzen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden. Neben them steht ein gerahmtes Foto von sich selbst als Kind: gleiches Kleid, gleiche Frisur, im gleichen Studiosetting.

Nach der Mastektomie, als Maria ein Gefühl von Zuhause in their neuen Körper fand, begann they an den Serien von Selbstporträts zu arbeiten. Die Bilder sind ein visueller Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Selbstbehauptung und der Verletzlichkeit eines Körpers, der im gesellschaftlichen Kontext sichtbar wird, sei es auf öffentlichen Plätzen oder in einer öffentlichen Toilette. Die Serien bewegen sich zwischen humorvollen und ernsten Momenten und versuchen, ein Gespräch über ein aufgeladenes Thema zu eröffnen, bei dem trotz vieler Fortschritte weiterhin erheblicher Nachholbedarf besteht. Sie werfen die Frage auf: Wann können trans und nichtbinäre Menschen sich endlich in unserer Gesellschaft zu Hause fühlen? Wann hören Staat und Gesellschaft auf, die Autonomie über unsere Körper und unser Begehren zu disziplinieren?

In einem Interview², das 25 Jahre nach der Erstveröffentlichung 1990 auf ihr Buch »Gender Trouble« zurückblickt, sagt Judith Butler: »Was wir brauchen, sind Gedichte, die die Welt der Pronomen hinterfragen, die Möglichkeiten von Sprache und Leben öffnen; politische Formen, die Selbstbestätigung unterstützen und fördern. Und was wir brauchen, ist eine politische und freudvolle Alternative zum behavioristischen Diskurs, zum christlichen Diskurs über das Böse oder die Sünde und zu ihrer Verbindung in Formen der Geschlechterkontrolle, die tyrannisch und zerstörerisch sind.«

Maria Bolz’ Fotografien leisten genau das. Sie bringen uns dazu, unser Dasein in dieser Welt, die Grenzen unserer binären Geschlechterordnung und die längst überfälligen gesellschaftlichen Normen, die bestimmen, wer wir sein sollen und wie wir zu sein haben, zu hinterfragen. Können wir, allen Widerständen zum Trotz, einfach wir selbst sein?

Alle Bilder von Maria Bolz aus »theydream« (2026) und »My nipples get harder than your dick« (2023–2025)

Anmerkungen

1 »They/them« ist ein Pronomen, das von nichtbinären Personen verwendet wird, die sich weder als männlich noch als weiblich identifizieren.

2 Judith Butler on gender and the trans experience: »One should be free to determine the course of one’s gendered life«: kurzlinks.de/Butler-Verso

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.03.2026, Seite 4, Fotoreportagen

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